Politik und Täuschung

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Die Politik in den westlichen Demokratien ist eine Dekoration. Sie hat keine wirkliche Bedeutung für wichtige Entscheidungen, keine wirkliche Macht. Ihre Aufgabe liegt mehr in der Verwaltung und Unterhaltung der Bevölkerung, sie kommuniziert die politischen Entscheidungen, die getroffen wurden, trifft aber kaum Entscheidungen selbst. Es regiert im Hintergrund das Wirtschafts- und Finanzleben, kurz gesagt das Geld, über alle Aspekte unseres Daseins. Wir befinden uns unter der Herrschaft der Reichen. Dies wird immer deutlicher sichtbar, und es gibt immer mehr Menschen mit großer Reichweite oder auf öffentlichen Posten, die dies offen aussprechen. Wir leben in einem Zeitalter der Täuschung und der Lüge. Auch das wird immer deutlicher. 

Den Herrn von Täuschung und Lüge nennen wir üblicherweise Satan oder Teufel. In Goethes Faust wird er vertreten durch Mephisto. Er ist hier und jetzt so aktiv wie nie zuvor, befindet sich nahe dem Höhepunkt seiner Macht. Am wichtigsten für seine Macht ist, dass ein großer Teil der Menschen sein Wirken gar nicht bemerkt. Über Menschen, die sein Wirken in Gänze durchschauen, hat der Teufel keine Macht. Wenn wir seinen Namen kennen, ist er machtlos, so erzählt es uns ein Märchen. Ein machtloser Teufel ist ein hohes Ideal, aber es ist keine Frage von ganz oder garnicht. Jede noch so kleine Erkenntnis bringt uns voran, wenn wir die Wahrheit erkennen. Je mehr wir den Teufel und sein System durchschauen, desto weniger Macht hat er über uns. 

Die Täuschung, auf deren Grundlage unsere heutige Gesellschaft aufbaut, umfasst aber nicht nur die angebliche Macht von scheinbar politisch richtungsweisenden Strukturen. Noch bedeutsamer ist die Täuschung über uns selbst, über das Wesen des Menschen. Unsere Handlungen sind immer eingebettet in die Umgebung, in der wir agieren. Wir haben nicht gelernt, uns selbst und unser Denken genau zu beobachten. Wir betrachten lieber die Handlungen anderer. Die Empirie ist unser “wissenschaftliches” Mittel, daher sprechen wir der Beobachtung von uns selbst nur wenig Wert zu. Wir wollen ganz viele Menschen beobachten, und zwar von außen auf ihre messbaren Handlungen schauend, und daraus unsere Schlüsse ziehen. Wir sehen dort eine gegenseitige Wechselwirkung. Menschliche Handlungen wirken auf die Umgebung. Die Umgebung wirkt auf die Handlungen. Dabei kommt es zu einem Zustand der Umgebung und zu einem Zustand des Menschen, dessen Erscheinung wir jeweils beobachten können. Die Frage, wer dabei wen in welchem Umfang verändert hat, liegt auf der Hand. Jeder Mensch verhält sich unterschiedlich abhängig von der Umgebung. Am Arbeitsplatz verhalten wir uns anders als unter Freunden. Umgeben von der Familie verhalten wir uns anders als unter Fremden. In einem Flugzeug verhalten wir uns anders als auf einem Sportplatz. 

Jede Umgebung bietet uns andere Möglichkeiten, und die Beziehung zu den anwesenden Menschen spielt eine weitere wichtige Rolle. Wir können Menschen aber nur in Umgebungen beobachten, die bereits real existieren, oder für ein Experiment geschaffen werden können. Dabei sind wir darauf angewiesen, dass das Experiment entweder als eine reale Umgebung erscheint, also eine perfekte Täuschung bietet, oder aus anderen Gründen von den Teilnehmern als reale Umgebung behandelt wird. Die einfache Aufforderung an die Teilnehmer eines Experimentes, so zu tun als ob, wird keine belastbaren Ergebnisse liefern. Die meisten Menschen können nicht einmal angeben, wie sie handeln würden, wenn sie plötzlich Milliardär wären. Wenn wir das wirklich wissen wollen, müssen sie zu Milliardären werden. Und die Art und Weise, wie das geschieht (ein Lottogewinn, eine Erbschaft, der Erfolg eines eigenen Geschäfts, oder ein Experiment) hat ebenfalls einen Einfluss auf den Umgang mit dem Geld. Die Arena in den “Hunger Games”-Romanen funktioniert nur, weil sie eine reale Umgebung schafft. Es wird hoffentlich niemand behaupten, dass sich in der Arena das wahre Wesen der Menschen zeigt. Es zeigt sich aber ein Verhalten in einer ganz speziellen Umgebung. Was wir von außen betrachtet von den Menschen empirisch erfassen, sagt uns viel über ihr Verhalten in der Welt, so wie sie von ihnen gerade erlebt wird, aber wenig über das Potential und das Wesen des Menschen. 

Wir können nun annehmen, dass der Mensch selbst die Welt, wie sie gerade ist, seinem Wesen entsprechend geformt hat. Diese Annahme habe ich früher getroffen. Diese Annahme macht Sinn, wenn ich davon ausgehe, dass keine dem Menschen entsprechenden oder überlegenen Wesen oder Kräfte in dieser Welt wirken. Damit habe ich den Menschen zum maßgebenden Element in der Wechselwirkung von Mensch und Welt gemacht. Wir sehen an einzelnen Menschen, wie unterschiedlich sie sich in ihrem Charakter und in ihren Handlungsweisen entwickeln, abhängig von ihrer Umgebung und ihren Erfahrungen. Die Menschheit umfasst alle diese einzelnen Menschen. Dabei können einige wenige Menschen einen großen Einfluss auf die Umgebung vieler Menschen haben. Häufig sind es Verirrungen, die zu einer großen derartigen Macht führen, und dann noch mehr Menschen in die Irre treiben. So entsteht eine Umgebung, die sich sehr stark entfremden kann vom unbeirrten Wesen ihrer Teilnehmer. Je mehr wir uns an unsere Umgebung anpassen, desto eher werden wir anfällig für eine solche Entfremdung. 

Meine Beobachtung ist, dass es einiges an Verirrung und Druck aus der Umgebung braucht, um Menschen in ein Verhalten zu treiben, mit dem sie sich und Anderen mehr schaden als nutzen. Gleichzeitig gibt es immer wieder Menschen, die aus eigenem Antrieb versuchen, auch in schwierigen Situation die Welt ein wenig besser zu machen. Das bewerte ich als Indiz dafür, dass die Umgebung, in der wir heute leben, keineswegs nur eine Konsequenz oder Repräsentation des menschlichen Wesens ist. Wir können jetzt so leben, aber wir können in Zukunft auch ganz anders leben. Wenn du wirklich Gewissheit in dieser Frage erreichen möchtest, dann geht das nur durch die Beobachtung des menschlichen Wesens selbst. Dies kann, mit etwas Übung, jeder an der eigenen Person beobachten: am eigenen Denken, Fühlen und Wollen. 

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