Bewusste Erkenntnis

Der Artikel „Was ist Erkenntnis“ schließt mit dem Satz, dass es bereits Erkenntnis braucht, um über eine Erfahrung reden zu können. Zudem können wir uns etwas viel leichter merken, wenn wir es erkennen. Wenn du einen Satz in einer dir unbekannten Sprache hörst, wird es dir sehr schwer fallen, ihn zu wiederholden. Wenn du die Klänge hingegen erkennst, Wörter und Begriffe zuordnen kannst, die Sprache also sprichst, dann ist eine Wiederholung viel einfacher. Erkenntnis ist also ein Prozess, der ständig in uns abläuft, meist unbewusst.

Dieses permanente unbewusste erkennen und zuordnen ist ganz wesentlich für unsere Orientierung in der Welt. Wenn wir unser volles Potential nutzen wollen, und uns aktiv weiterentwickeln und orientieren wollen, ist es eine gute Idee, die eigenen Erkenntnisprozesse bewusst nachzuvollziehen. Erst wenn ich mir einer Erkenntnis bewusst werde, kann ich sie aktiv reflektieren. Dann kann ich sie überdenken, kann ihren Hintergrund, ihre Berechtigung, ihre Auswirkung auf meine Zukunft untersuchen. Im besten Fall kann ich Irrtümer aufdecken und beseitigen und mich damit von Vorurteilen oder Glaubenssätzen lösen, die mich daran hindern, ein der Wirklichkeit entsprechendes Weltbild aufzubauen.

Zu Irrtümern kommt es besonders oft, wenn wir am Objekt gar nicht wirklich interessiert sind, sondern mehr an uns und an der Bestätigung unseres Weltbildes. Dadurch wird die Wahrnehmung verkürzt und behindert, wir überlagern die Wahrnehmung mit unseren Erwartungen und Vorstellungen. Hier wird deutlich, dass für eine bewusste und richtige Erkenntnis auch eine bewusste Wahrnehmung ganz wesentlich ist. Bemerken wir, dass unsere Wahrnehmung zu kurz kommt oder überlagert wird, sollten wir uns fragen, warum das so ist.

Glaubenssätze können dazu führen, dass wir gewisse Wahrnehmungen nicht annehmen, oder uns weigern eine Erscheinung näher zu betrachten. Mit dem Glaubenssatz, die Materie sei Ursache von allem, lassen sich viele Phänomene nicht erklären. Diese werden dann entweder ganz geleugnet oder es werden die jenseits der Materie gründenden Erklärungen abgelehnt in der Hoffnung, dass sich bei besserem Verständnis der Materie noch eine darin gründende Erklärung finden wird. Wenn wir die Wahrnehmung verweigern, können wir auch keine Begriffe zu den Erfahrungen finden und werden folglich zu keiner Wahrheit und zu keinem Verständnis kommen.

Das Wesen jeder Sache in dieser Welt lässt sich nur durch unvoreingenommene Beobachtung finden. Deswegen ist die Kenntnis unserer Glaubenssätze so wichtig. Erst wenn wir uns selbst besser verstehen, können wir einen genaueren Blick auf die restliche Welt werfen.

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