In einem vorigen Artikel habe ich die Gesetze des Denkens angesprochen. An dieser Stelle möchte ich einen ersten Überblick über diese Gesetze geben. Für viele Menschen in meinem Umfeld und auch für mich ist dies ein weitgehend unbekanntes oder neues Thema. Die Gesetze der Natur sind uns oft vertrauter, weil sie zumindest rudimentär in der Schulbildung behandelt werden. Die Natur, speziell der Kosmos und die Materie, haben in den letzten Jahrhunderten viel Aufmerksamkeit bekommen. In der unbelebten Materie gilt grundlegend vor allen Anderen genau ein Gesetz: die Kausalität, das Gesetz von Ursache und Wirkung. Wie dies abläuft und welche Kräfte wirken beschreiben wir näher in diversen Teilgebieten der Naturwissenschaft.
„Der erste Schluck aus dem Becher der Naturwissenschaften führt zum Atheismus, aber auf dem Grund wartet Gott.“
Werner Heisenberg
Wenn wir der Materie all unsere Aufmerksamkeit geben, so wie es die Naturwissenschaften lange getan haben, dann ist es naheliegend, alles auf die Materie zurückführen zu wollen. Deswegen führen diese, wie Werner Heisenberg sagt, zunächst zum Atheismus. Atheismus gründet sich häufig in der Überzeugung, es gebe nur Materie. Wir können dann folgern: Materie ist die Ursache von allem. Wenn wir Materie besser verstehen, werden wir erklären können wie Materie denkt. Wir werden erklären können, wie Materie aus sich selbst heraus Organismen bildet. Wir werden aus Materie lebende Wesen bauen, so wie wir ein Fahrrad bauen. All diese Überzeugungen leiten sich ab aus dem Glaubenssatz, dass es nur Materie gibt. Leben wird zu einer durch Materie erzeugten Illusion. Warum Illusion? Weil die Kausalität das Lebendige dann reduziert auf etwas nur durch Materie bewirktes, was aus sich heraus genauso wenig aktiv werden kann wie eine Maschine. Dieses Weltbild nennen wir Materialismus.
Wenn wir abtauchen und uns innerhalb der Materie auf die Suche begeben nach der ersten Ursache für alles, dann gelangen wir zum Grund. Wir werden feststellen, dass wir mit einer Reduzierung unserer Aufmerksamkeit auf die Materie vieles nicht erklären können. Wir bemerken, dass wir so den Zugang verlieren zu einem wesentlichen Teil der Wirklichkeit. Auf dem Grund wartet Gott, und wir erkennen, dass die Wirklichkeit mehr umfasst als die unmittelbar gegebene materielle Welt.
Um dies zu erkennen, brauchen wir nur uns selbst. Ein Mensch umfasst alle Ebenen der Wirklichkeit. Wenn wir uns selbst betrachten, so finden wir alle Rätsel der Wirklichkeit in uns repräsentiert. In der Selbstbeobachtung haben wir einen Zugang zur Wirklichkeit, den wir im Außen über die Sinnesorgane für materielle Dinge nicht finden können. Die Gesetze des Denkens finden wir durch Beobachtung des Denkens mit dem Denken selbst. Das ist die grundlegende Aufgabe jeder Erkenntnistheorie. Wir gehen aus von dem, was wir vorfinden und beobachten können. Davon ausgehend bauen wir ein Weltbild auf und erweitern unser Verständnis. Das funktioniert in der Geisteswissenschaft genauso wie in der Naturwissenschaft. Zuerst beobachten wir, wie der Apfel fällt. Anschließend arbeiten wir uns zu den zugrunde liegenden Gesetzen vor. Genauso machen wir es auch beim Beobachten des Denkens.
Unser Denken nutzt Begriffe. Ein Begriff ist zum Beispiel die Idee des Löffels. Der Begriff ist allgemein und umfasst die Wesensmerkmale der Idee. Wenn wir den Begriff hören, können wir uns einen speziellen Löffel vorstellen, wir haben dann ein Gedankenbild von einer ganz konkreten Realisierung des Begriffs. Dabei stellen wir fest, dass wir uns nur selten genau den gleichen Löffel vorstellen wie jemand anders. Der Begriff ist aber für alle gleich: Ein Löffel ist ein Werkzeug zum Schöpfen einer Flüssigkeit in unseren Mund. Ob er aus Holz oder Plastik oder Metall gemacht ist, schlicht oder reich verziert, spielt für den Begriff keine Rolle. Wir erkennen einen Löffel nicht an solchen Details, sondern an seinen Wesensmerkmalen. Alle Begriffe, die unser Denken nutzt, sind vernetzt. Begriffe stehen in einem Verhältnis zueinander, zum Beispiel als Basisbegriff. Der Begriff der Flüssigkeit ist ein Basisbegriff für den Begriff des Löffels. Der Weg vom Löffel zur Flüssigkeit ist für das Denken nicht lang, es gibt eine direkte Verbindung. Zu anderen Begriffen kann der Weg länger sein, aber in unserem Weltbild sind alle Begriffe in ein großes Netzwerk eingebunden.
In dieser grundlegenden Betrachtung und Beschreibung des Denkens können wir bereits einige Gesetzmäßigkeiten finden:
- Das Denken definiert Begriffe (Verstand)
- Das Denken verbindet Begriffe (Vernunft)
- Die verbunden Begriffe bilden ein Netzwerk (Weltbild)
- Das Denken verbindet sinnliche wahrgenommene Formen mit Begriffen (Erkenntnis)
Betrachten wir das Denken genauer, so gelangen wir zur Logik. Unser Denken ist in der Lage, die Auswirkungen gegebener Vorraussetzungen zu schlussfolgern. Das funktioniert sowohl mit direktem Bezug zur sinnlichen Wahrnehmung als auch abstrakt. Die Gesetze der Logik sind auch Gesetze des Denkens, und gleichzeitig eine Repräsentation des kosmischen Gesetzes der Kausalität. Diese Übereinstimmung macht es möglich, dass wir uns mit unserem Denken in der Welt zurechtfinden können.
Zu einigen hier angesprochenen Bereichen gibt es bereits weitere Artikel auf diesem Blog, andere Bereiche wie die Logik werden zukünftig ebenfalls in weiteren Artikeln näher betrachtet werden. Jeder hier angesprochene Bereich wird in Zukunft noch näher betrachtet und weiter vertieft werden.