„Gestern war ich schlau, also wollte ich die Welt verändern.
Heute bin ich weise, also verändere ich mich selbst.“Rumi
Es ist gut zu wissen, dass die Welt sich mit uns ändert, wenn wir uns ändern. Wir ändern die Welt, indem wir uns selbst ändern. Viele glauben, sich selbst zu ändern sei nicht genug, und wollen direkt die Welt verbessern. Erfolgreich sind aber nur die, die zunächst an sich selbst arbeiten, und dadurch die Welt verbessern. Es ist in der heutigen Welt nicht einfach zu verstehen, wie es sein kann, dass sich die ganze Welt ändert, wenn ich mich selbst ändere. Mehr noch, den größtmöglichen Einfluss auf die Welt erreiche ich, indem ich mich selbst ändere. Arbeite ich daran, ein besserer Mensch zu sein, dann werde ich die Welt dadurch besser machen. Wir wirken ständig auf die Welt ein, mit allem, was wir tun. Wie wir auf die Welt wirken, ist uns zu einem Großteil vermutlich gar nicht bewusst.
Wir sind so sehr um Sachlichkeit, um Messbarkeit bemüht. Wenn wir die Welt verbessern, dann wollen wir das für alle und nicht zuletzt auch für uns selbst sichtbar beweisen können. Und wie soll das gehen, wenn wir uns nur selber ändern? Damit wollen sich viele nicht zufrieden geben. Sie wollen stattdessen die Armut abschaffen. Korruption beseitigen. Kriege beenden und verhindern. Das sind alles Ziele, die viele von uns sicherlich als gut und sinnvoll bewerten werden. Und je mehr dabei helfen, desto besser. Es sollte aber auch verständlich sein, dass keines dieser Ziele durch eine Einzelperson für die ganze Welt erreicht werden kann. Es sind Ziele, zu denen jeder Einzelne beitragen muss. Sicherlich können wir etwas mehr leisten, die Untätigkeit einiger anderer etwas ausgleichen – aber wir kommen dabei schnell in eine Situation, in der wir uns überfordern. Sicherlich können wir andere inspirieren, sich auch zu verändern und mitzuhelfen – aber es kann schnell passieren, dass wir dabei übergriffig und zu fordernd werden. Wir haben kein Recht, erwachsene Menschen zu ihrem Glück zu zwingen. Jeder Mensch braucht die Möglichkeit, mit dem Bösen in Kontakt zu treten und so zu lernen. Erst wenn jeder von uns sich zur Vollendung entwickelt hat, verliert das Böse seine Aufgabe, und dann wird es das Böse nicht mehr geben. Alle Steine aus dem Weg zu räumen ist keine gute Art, einem Kind beim Aufwachsen zu helfen. Das Gleiche gilt auch für Erwachsene. Wir helfen ihnen nicht, indem wir das Böse aus der Welt schaffen, selbst wenn wir die Macht dazu hätten. Wir helfen ihnen, indem wir – wenn ein Interesse besteht – dabei behilflich sind, das Böse zu erkennen und damit umzugehen. Wenn uns Menschen begegnen, die keine Möglichkeit zu haben scheinen, sich aus den Fängen des Bösen zu befreien, dann können wir für diese Menschen hilfreiche Angebote machen. Wir dürfen allerdings nicht erwarten, dass wir damit allen Menschen helfen können. Manche sind noch nicht bereit und wollen vorher noch andere Schritte gehen. Die eigene Entwicklung und die Entwicklung der Mitmenschen zu fördern ist daher der beste Weg, die Welt besser zu machen. Die Auswirkungen sind vielleicht unmittelbar weniger spektakulär und werbewirksam als bei einer Symptombekämpfung – dafür aber dauerhaft.
Wir werden ständig unter Druck gesetzt, und glauben dann, die Dinge beschleunigen zu müssen. Das ist ja auch nicht grundsätzlich falsch – oft hat man weniger Schäden zu reparieren, wenn man zeitnah reagiert. Aber die Verbreitung von zu viel Stress und Panik kann auch sehr negative Folgen haben. Vielleicht hast du schon mal von dem kleinen gallischen Dorf gehört, das vor gut zweitausend Jahren erfolgreich den Römern widerstand leistete. Sie hatten vor nichts Angst, außer davor, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fallen könnte. Als Kind fand ich diese Angst absurd und dachte, es sei eine humorvolle Art zu sagen, dass sie sich wirklich vor nichts fürchten. Heute lebe ich in einer Welt, in der die größte Angst vieler Menschen genau darin besteht, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fallen könnte. Man nennt das heute Klimakatastrophe, und die Idee dahinter ist eine Veränderung des globalen klimatischen Zustands der Erde, der dazu führen soll, dass der Planet kein menschliches Leben mehr erhalten kann. Etwa so könnten auch die Gallier in dem kleinen Dorf es sich vorgestellt haben, wenn ihnen der Himmel auf den Kopf fällt. Es ist spannend zu studieren, wie diese Überzeugung verbreitet wurde, wie sie erhalten wird, und wie sie genutzt wurde und wird. Wenn wir uns von solchen Projekten vereinnahmen lassen, weil wir die politische Methodik dahinter nicht sehen, dann steht uns diese Zeit und Energie für eine individuelle Entwicklung nicht mehr zur Verfügung. Wir bleiben dann clever und werden nicht weise, was unsere Entwicklung verzögert. Diese Erfahrung ist aber auch wichtig, um die Entwicklung dann schließlich voran zu treiben.
Nur um dem kritischen Leser dies zu erklären, möchte ich klarstellen: Wenn ich von einer Vereinnahmung durch “solche Projekte“ schreibe, dann ist das keinesfalls eine Aufforderung, alles damit in Zusammenhang stehende zu boykottieren oder zu verurteilen. Es werden viele Dinge im Rahmen solcher Projekte angeregt und umgesetzt, darunter auch harmlose und sinnvolle. Wenn sich ein Projekt allerdings eines derartigen, kaum noch steigerungsfähigen Bedrohungsszenarios bedient, und dieses als Realität darstellt, dann können damit auch sehr hohe Kollateralschäden rechtfertigt werden. Es wird schon fast egal, wie viel Schaden ich anrichte, denn die Alternative ist nichts Geringeres als der Weltuntergang. Es werden dann Dinge akzeptiert und hingenommen, die sonst scharf kritisiert würden und nicht umsetzbar wären. Dadurch entsteht ein Dilemma: Bewerten wir die Bedrohung als Wahrheit, dann akzeptieren wir die Schäden, die wir mit den Gegenmaßnahmen anrichten, denn wir haben ja damit verhindert, dass es in Zukunft keine Menschen mehr geben wird. Bewerten wir die Bedrohung als Lüge, dann verurteilen wir die Schäden als unnötige Belastung für die Menschen und den ganzen Planeten. So entsteht eine Spaltung, wie wir sie jetzt auf globaler Ebene sehen. Auf die gleiche Art und Weise bewirkte Spaltungen haben in der menschlichen Gesellschaft und Politik eine sehr lange Tradition und erfreuen sich unverminderter Beliebtheit. Falls du davon noch nie gehört hast, kennst du vielleicht den Spruch “Teile und Herrsche”. Aus einem Korn von Wahrheit gesponnene Lügen eigenen sich am besten für eine stabile Spaltung. Reine Lügen erfordern unnötig viel Aufwand, um genug Verbreitung zu finden und zu halten, und reine Wahrheiten überzeugen zu schnell zu viele Menschen.
Wie mache ich die Welt nun also besser? Sicher nicht, indem ich eine Randposition in einer von äußeren Mächten erzeugten Spaltung annehme oder eine Veränderung der ganzen Welt zu erzwingen versuche. Wer wirklich unmittelbar zu einer globalen Weiterentwicklung beitragen will, der arbeite an sich selbst. Das ist keine leichte Aufgabe. Es ist schwierig, sich soweit aus dem Lärm der Welt zu lösen, dass damit begonnen werden kann, sich einen eigenen Überblick über die Welt zu erarbeiten. Wer das für unmöglich hält, dem möchte ich sagen: Es ist möglich, indem wir uns loslösen von all den scheinbar so wichtigen Projekten und Ablenkungen. Wenn wir uns besinnen, unser logisches Denken schulen, unseren Verstand nutzen, und vor allem auch wieder lernen, leise und geduldig zu lauschen. Den Schein der Welt erleben wir mit unseren Sinnesorganen. Sie scheint schrill und grell. Am schlimmsten ist es auf dem Bildschirm. Das Wesen der Welt erleben wir aber mit unserem Geist. Hier müssen wir wieder lernen, das eigene Denken zu beobachten. Jeder Mensch kann selber denken, er muss sich nicht denken lassen. Es ist möglich, indem wir uns selbst verändern.