Reinkarnation

Vielleicht hast du dich schon mal gefragt, was nach deinem Tod mit dir passiert. Oder wo du vor deiner Geburt warst. Welche Antwort du darauf gibst, hängt ab von deiner Weltanschauung. Es hängt ab davon, welche Vorstellung du hast von den Ursachen, die in dieser Welt wirken. 

Ein Determinist hat überhaupt keinen Platz für wirkliche Ursachen, denn er sieht die Welt als eine Kette von Ursache und Wirkung, wobei jede Wirkung die Ursache für die nächste Wirkung ist und jede Ursache durch Vorheriges bewirkt wurde. Hier gibt es keine Freiheit, keine Verantwortung, keine Gerechtigkeit, keine Individuen, sondern nur Materie in ihrer gesetzmäßigen Entfaltung. Dies ist eine Variation der materialistischen Weltanschauung, auf ihre Weise konsequent zu Ende gedacht. Vielleicht kennst du einen Menschen, der diese Auffassung vertritt, oder hast sie selbst einmal vertreten. Diese Auffassung untergräbt jede Art der Eigeninitiative, weil sie diese als Illusion betrachtet. Es ist die ultimative Opferhaltung, frei von jeder Eigenverantwortung. Die Gesellschaft mit all ihren schön klingenden Konzepten von Demokratie und Freiheit, die Idee von Würde und Ethik, Gut und Böse, nichts macht einen Sinn aus dieser Perspektive. Wer die Welt so sieht, sucht sein “Glück” oft in finanziellem Reichtum, in Macht, in der Selbstdarstellung mit Statussymbolen, im Ausleben der Triebe. Oder macht einfach das, was erwartet wird und der Norm entspricht. Das Rechtssystem wäre falsch benannt, denn es wäre nur ein System, das Konsequenzen zur Verhaltenssteuerung schafft. Ohne Freiheit kann die Idee des Rechts nicht existieren, es gibt dann nur die Idee der Ordnung. Die Ordnung ergibt sich aus den Gesetzen. Ist der Mensch in seiner Existenz und seinem Verhalten nur durch Gesetze der Materie bewirkt, sind in der Folge auch die vom Menschen erdachten Gesetze durch die Gesetze der Materie bewirkt und können auf diese zurückgeführt werden. Wir existieren hier nur durch den Körper, und wir entstehen und erlöschen mit diesem. Die Frage nach einem vorher oder nachher wird als Unsinn beiseite gelegt.

Die meisten mir bekannten Materialisten glauben zwar, dass ihr Wesen irgendwie durch die Materie ihres Körpers bewirkt wird, halten aber dennoch an Konzepten wie Verantwortung und Gerechtigkeit fest. Da hat sich mir irgendwann die Frage gestellt, wie sich das logisch miteinander verbinden lässt. Um nicht die oben beschriebene Sichtweise des Deterministen einzunehmen, und die Verantwortung als Illusion zu betrachten, muss ein Element der Freiheit in der Materie angenommen werden. Nur so kann die Materie, die sich aus Sicht der klassischen Physik streng vorhersehbar verhält, einen freien Geist hervorbringen. Und nur ein freier Geist kann Verantwortung übernehmen. Nur einem freien Geist können wir Vorwürfe machen, Unrecht getan zu haben. Dieser Vorwurf wäre, wenn wir ihn gegenüber einem Stein äußern, nicht haltbar. Ein Stein tut nichts aus sich heraus. Der einzige mir bekannte Weg, um vom Determinismus der klassischen Physik zur Freiheit des Menschen, oder im Falle dieser Weltanschauung womöglich auch zur Freiheit des Computers zu kommen, ist der Zufall. Das klassische Konzept von Materie verliert sich jedenfalls, wenn wir nach immer kleineren Teilchen suchen, und wird ersetzt durch Energie und Statistik. Wir können Masse als verdichtete Energie betrachten. Der exakte Zustand in einer Momentaufnahme kann hier als Zufall angesehen werden und ist nicht vorhersehbar. Wie kommen wir vom Zufall zur Freiheit? Indem die Freiheit sich des Zufalls bedient, um neue Ursachen in der Welt der Materie zu setzen. Aber welche Kraft ist dann diese Freiheit? Könnten wir sie als Geist bezeichnen? Und was ist Materie, was bewirkt sie wirklich? Und wie entsteht daraus etwas, in dem ein freier Geist wirken kann? Wenn wir hier weiter nachforschen, beginnen wir den Materialismus zu verlassen, oder zumindest neu zu denken.

Wir sehen neben der sich ständig neu anordnenden Materie auch die scheinbar unwandelbaren Naturgesetze. Sie sind das Beständige in dieser Welt, die sich ansonsten fortlaufend verändert, zerfällt und neu strukturiert. Es gibt aber noch eine Konstante. Auch das Leben bleibt bestehen, obwohl es sich in ständig werdenden und vergehenden Körpern zeigt. Soweit wir zurück schauen können, hat es immer Leben gegeben. Wir verknüpfen das Leben an gewisse äußere Umstände, sprechen Planeten die Eigenschaft zu, Leben zu ermöglichen oder auch nicht. Ich habe gelernt, dass dieser Planet einmal unbelebt war, vor der sogenannten Entstehung des Lebens. Und davor gab es diesen Planeten eine lange Zeit gar nicht, bis zur Entstehung dieses Sonnensystems. Wie und ob das Leben auf der Erde entstanden ist, da sind sich schon nicht mehr alle einig. Es gibt auch die Möglichkeit, dass das Leben auf die Erde gekommen ist und schon vorher existierte. Was Leben genau ist, und welche Formen es annehmen kann, wo es möglich ist, das sind Fragen, bei denen ich mit den vorbehaltlichen Antworten der modernen Wissenschaft nicht zufrieden bin. Sicher, die Körper, die wir jetzt haben, brauchen ein bestimmtes Umfeld. Aber gibt es vielleicht noch andere Körper? Und ist ein Körper überhaupt notwendig für Leben? 

Es klingt zum Ende des Abschnitts über den Materialisten bereits an, dass die physisch sichtbaren und messbaren Körper als eine Hülle für das Leben, für lebendige Wesen, angesehen werden können. Sie ermöglichen es uns, in der physischen Welt zu wirken und diese für unsere Entwicklung zu nutzen. Von einer materialistischen Weltanschauung kommend bedarf es nur einer kleinen Erweiterung, um diese Idee in das eigene Weltbild mit aufzunehmen. Wir brauchen die Materie nicht aufgeben. Es reicht die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass die Lebewesen, so wie wir sie hier erleben, nicht durch Materie allein, sondern durch Materie und Geist gemeinsam bewirkt werden. So wie wir hier denken und handeln, kann ein Lebewesen ohne physischen Körper weder denken noch handeln. Und unser Körper würde weder existieren noch lebendig sein, wenn kein Wesen in ihm wohnen würde. Unser Körper ist nur möglich, weil lebendige Wesen ihn bewirken. Die Materie erschafft ihn nicht aus sich heraus. In den Kräften zwischen den kleinsten Teilchen ist ein menschlicher Körper nicht veranlagt. Nicht einmal ein Gänseblümchen lässt sich darin finden. Wir werden unsere Forschung über die Materie hinaus erweitern müssen, um zu verstehen, wie das Leben und seine Kräfte wirken. Erst dann können wir das Zusammenspiel von Geist und Materie verstehen.

Die Existenz von hoch komplexen organischen Strukturen ist uns so selbstverständlich, dass wir sie oft kaum hinterfragen. Lehnen wir den Geist ab, dann versuchen wir das Komplexe als die notwendige oder zufällige Folge von etwas Einfacherem zu begreifen, um so die Entwicklung und das Wachstum organsicher Strukturen dem Zufall irgendwie zugänglich zu machen. Würde jemand behaupten, dass etwas vergleichsweise simples wie ein Smartphone im Universum auch zufällig entstehen kann, ohne durch intelligente Wesen entwickelt und gebaut zu werden, würde uns das wohl kaum überzeugen.

Hast du die Idee der Reinkarnation in den bisherigen Absätzen bereits finden können? Erst mit dieser Idee werden Konzepte wie Freiheit, Verantwortung und Gerechtigkeit wirklich greifbar. Ein einzelnes Menschenleben erscheint für sich betrachtet häufig weder wirklich frei noch gerecht. Wir müssen aber nicht alles in einem Leben erreichen. Auch wenn es so scheint, als hätten wir weder Erinnerung noch Erfahrung aus vorigen Leben, werden die Erfahrungen dieses Lebens das ergänzen, was wir schon haben.