Weltanschauung und Ideologie

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Wenn wir uns mit anderen Menschen über unsere Weltanschauung unterhalten, gelangen wir sehr schnell zu ganz fundamentalen Fragen. Wer an Gott glaubt, also davon ausgeht, dass ein lebendiges Wesen diese Welt bewirkt, oder mit anderen Worten, dass etwas Lebendiges, etwas Geistiges die Materie und ihre Gesetze erschaffen hat und erhält, wird vermutlich eine andere Idealvorstellung von menschlicher Gesellschaft haben als ein Mensch, der glaubt, dass Materie die letzte Ursache hinter allem ist, was existiert, also die kleinsten Teilchen der Materie unsere Körper und Gedanken mehr oder weniger gesetzmäßig oder zufällig bewirken. Letztgenannter hat entweder ein vollständig deterministisches Weltbild, womit jede Eigenverantwortung im Grunde entfällt, oder er versucht Freiheit im Zufall zu suchen. 

Das sollten wir bei der Kommunikation mit anderen Menschen berücksichtigen. Oft können wir an den Meinungen, die ein Mensch in alltäglichen Fragen vertritt, schon Rückschlüsse ziehen, was für eine Weltanschauung vermutlich dahinter steht. Dann können wir uns fragen, ob diese Meinung eine logisch korrekte Folgerung dieser Anschauung ist. Wenn ja, dann brauchen wir erst gar keine Argumente für unsere Meinung vorzubringen. Wir können dann nur sagen, mit den getroffenen Annahmen ist die Aussage richtig und verständlich. Wir können natürlich auch unsere Meinung kundtun, und wenn Zeit und Interesse besteht, auch noch unsere dahinter liegende Weltanschauung zu vermitteln versuchen. 

Welche Stellung wir in ethischen oder gesellschaftlichen Fragen annehmen, ist stark von unserem Menschenbild und unserer Weltanschauung abhängig. Was für eine Vorstellung wir vom Menschen haben, dass variiert von einer Art biologischen Maschine über ein mutiertes Tier, bis hin zu einem Ebenbild Gottes. Auch was wir unter einem Tier verstehen, kann sich sehr unterscheiden. Und auch bei der Maschine gibt es sehr unterschiedliche Vorstellungen. 

Oft werden menschliche Eigenschaften wie Angst, Eifersucht, Ehrgeiz oder Machtsucht auf Computer übertragen. Das kennen wir schon lange aus diversen Filmen. Wer sich selbst und alles lebendige als das Resultat komplexer Teilchenverbindungen ansieht, wird keinen wesentlichen Unterschied zwischen sich selbst und einem Computer sehen können, wenn dieser erst mal kompliziert genug geworden ist. Der Unterschied wird erst sichtbar, wenn wir uns fragen, ob Ursache und Wirkung bei dieser Anschauung womöglich vertauscht sind. Wir können alle beobachten, dass lebendige Wesen komplexe Teilchenanordnungen bewirken können. Wir tun es selbst jeden Tag. Den umgekehrten fall habe ich bisher noch nicht erlebt. Wir sind heutzutage abgelenkt und losgelöst von der Welt, die das Leben bewirkt. Das ist keine unüberwindbare Kluft, aber für die Ursachen des Lebens sind wir dadurch überwiegend blind. Die moderne Wissenschaft steht schon bereits kurz davor herauszufinden, dass sie in der Materie nicht zu finden sind, sondern nur zum Ausdruck kommen. Bis dahin wird sich die Gesellschaft mit Konzepten wie Freiheit weiter schwer tun.

Habe ich keine Möglichkeit, die Idee der Freiheit in meinem Weltbild unterzubringen, dann möchte ich die Menschen vermutlich so programmieren und anleiten, dass sie möglichst gut funktionieren. So wie es auch für Computer sinnvoll ist. Es muss dann eine Gesellschaft geformt werden, die in jeder möglichen Situation zum gewünschten Verhalten der Menschen führt. Wird nicht gewünschtes Verhalten festgestellt, müssen die Regeln so geändert werden, dass das nicht mehr passieren kann. So wie man eine fehlerhafte Software nachbessert, damit sie wie gewünscht abläuft. Dazu ist es wichtig zu verstehen, wie ein Mensch auf äußere Einflüsse reagiert, und wie seine innere “Programmierung” aussieht. Unvorhersehbares Verhalten steht einer Optimierung im Weg. Deshalb werden die Menschen sehr genau beobachtet, es werden Profile in der digitalen Welt angelegt. Diese sammeln möglichst viele Eigenschaften der Menschen und versuchen, auf dieser Grundlage ihr Verhalten zu verstehen und vorherzusagen. Teilen wir diese Ansicht, dann unterstützen wir dieses Vorhaben. Besonders dann, wenn wir verängstigt wurden und uns ohne Kontrolle nicht sicher fühlen. Wir wollen dann aus Angst vor Verlusten alles unter die Gewalt einer Macht bringen, der wir vertrauen oder die wir sogar selbst zu beherrschen glauben.

Ganz anders sieht die Welt aus, wenn wir das Lebendige nicht als beliebiges Zufallsprodukt ansehen, das es einer Kontrolle zu unterwerfen gilt, sondern als eine göttliche Schöpfung. Dann können wir erleben, dass unsere Aufgabe eben gerade darin besteht, frei zu werden. Wenn wir das erkennen, hoffen wir nicht länger darauf, dass unsere Probleme von äußeren Mächten gelöst und beseitigt werden. Dann haben wir kein Interesse daran, dass wir selbst und alle anderen Menschen wie Maschinen verwaltet und gesteuert werden. Wir erkennen dann unsere Probleme als unsere Aufgaben und Herausforderungen, mithilfe derer wir uns weiter entwickeln können. Wir wollen andere Menschen dann nicht dauerhaft in fremder Gewalt halten, sondern in ihrer Entwicklung fördern und unterstützen. So, wie wir es normalerweise auch für unsere Kinder wollen. 

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