Gedankenkontrolle

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Mit dem Wort Gedankenkontrolle verbinden wir häufig das Bestreben, die Gedanken anderer Menschen, meist ganzer Bevölkerungen, zu kontrollieren, und zwar meist von einer zentralen Verwaltung ausgehend. Der Begriff ist negativ geprägt, durch dystopische Romane und Filme, aber auch durch bereits stattfindende oder in der Vergangenheit liegende politische Aktivitäten. Unsere Gedanken können aber nur dann von außen kontrolliert werden, wenn wir unserer Aufgabe, die eigenen Gedanken selbst zu kontrollieren, nicht nachkommen. Um diese Aufgabe soll es in diesem Artikel gehen.

Wir sind mit unserem Denken oft unterwegs wie ein Kayak in einem reißenden Fluss, lassen uns mitnehmen von den Fluten, die uns umspülen, und reagieren mit unserem Denken auf all die Dinge, die auf uns einwirken wie das strömende Wasser auf das Kayak. Diese Fahrt ist voller Abenteuer, voller Adrenalin, sie ist schnell, wir leben in der Kraft des Flusses und des Wassers, und wir nutzen unser Denken, um nicht unterzugehen und nirgendwo gegen zu fahren. Aber wir unterwerfen uns auch den Kräften des Wassers, dem Lauf des Flusses. Wir sind immer getrieben. Wir bestimmen unsere Richtung nur in sehr geringem Umfang selbst, und orientieren uns dabei an der Beschaffenheit des Flusses. So verhält sich unser Denken im Alltag.

Wir vernehmen Worte und wandeln diese um in Gedanken. Diese Gedanken wiederholen wir und machen sie uns zu eigen. In der Schule werden wir trainiert, so zu lernen. So werden wir auf die Gesellschaft vorbereitet, in der wir uns dann zurechtfinden sollen. Zusätzlich bekommen wir noch beigebracht, zwei oder mehr Gedanken, die uns vermittelt wurden, formal korrekt zu einem weiteren Gedanken zu kombinieren. Dies gilt als höhere Fähigkeit verglichen mit der bloßen Umwandlung von gehörten Worten in Gedanken mitsamt deren Aufzeichnung und anschließender Wiederholung auf Nachfrage. Wenn wir es mit unserem Denken dabei belassen, werden wir nicht viele eigene Gedanken zustande bringen. Wir beschränken uns damit auf die Fähigkeiten, die auch ein Computer zustande bringt. Der Glaube, das menschliche Denkvermögen damit vollständig erfasst zu haben, ist ein Irrtum. Aus der Perspektive eines Materialisten ist dieser Irrtum naheliegend, denn mit dieser Weltanschauung bleibt uns die wesentliche Fähigkeit unseres Denkens unbegreiflich und verborgen, so wie auch die Wirkkräfte des Lebens selbst unbegreiflich und verborgen bleiben.

Unser Denken kann nicht nur Gedanken wiederholen, die ihm mit Worten vermittelt wurden. Direkt nach unserer Geburt sind wir noch nicht einmal in der Lage, Worte in passende Gedanken zu verwandeln. Wir müssen die Sprache erst lernen, bevor uns die Worte zu dem Gedanken führen, den die sprechende Person gedacht hat. Unser Denken verarbeitet alle Wahrnehmungen. Sobald wir Eindrücke über unsere Sinne erhalten, beginnen wir darüber nachzudenken. Wenn wir ausgewachsen sind, geschieht das zu großen Teilen unbewusst. Bekannte Eindrücke verarbeitet das Denken automatisch, und wir nehmen sie oft gar nicht mehr wahr. Aber wenn wir etwas Unbekanntes wahrnehmen, dann sucht unser Denken nach einer Erklärung. Wenn wir etwas genau beobachten und zu seinem Wesen vordringen wollen, zu seiner Beziehung mit dem Rest der Welt, dann beginnen wir erst wirklich zu denken. Das braucht Zeit und Geduld. Und auch Übung, die wir nicht mehr bekommen, wenn wir nur noch fertige Gedanken wiederholen. Oft beobachten wir etwas kurz und legen dann einen fertigen Gedanken darüber, den wir zuvor gelernt haben. Dies müssen wir auch in nahezu allen Prüfungen tun, die wir im Leben ablegen, denn zum selber denken wird uns dabei meist keine Zeit gelassen. Es soll nur gelerntes, das uns zuvor gegeben wurde, wiederholt werden. Und wir übertragen dieses Vorgehen auf fast alle Bereiche des Alltags, bauen unser gesamtes Weltbild auf diese Weise. Von dieser Angewohnheit gilt es sich zu befreien.

Gelingt uns das, dann gewinnen wir die Kontrolle über unser eigenes Denken zurück. Gelingt uns das nicht, dann wird jemand außerhalb von uns unser Denken weiter kontrollieren. Durch die Beobachtung und gedankliche Beschäftigung mit einfachen Alltagsgegenständen über mehrere Minuten hinweg üben wir, unsere Gedanken wieder selbst zu lenken und hervorzubringen. Mithilfe dieser Übung versuchen wir nun, unser Kayak auf ein ruhiges Gewässer zu manövrieren. Wir erschaffen einen spiegelglatten See, auf den wir unser Kayak bringen wollen. Dort sind wir nun in Ruhe. Wir sind frei. Wir können durchatmen. Uns in alle Richtungen umschauen. Genau beobachten. Wir können nun unsere eigene Kraft nutzen, um in eine frei gewählte Richtung aufzubrechen. Wir können innehalten und lauschen. Wir bekommen wieder ein offenes Ohr für die leisen Geräusche, die im tosenden Fluss nicht zur hören sind. Wir können zu uns selbst finden,  selbst die Welt erkunden, selbst Ideen finden und eigene Vorstellungen bilden. 

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