Studien und Wahrheit

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Meinungen werden heutzutage gerne mit Studien begründet oder verteidigt. Das betrifft ganze Weltbilder. Es gibt heute so viele Studien, dass es möglich ist, sich ein Weltbild aufzubauen, ohne je den Schreibtisch oder Lesesessel zu verlassen.

Woher kommen all diese Studien? Wer bringt die ganze Zeit und Arbeit dafür auf? Auch dazu gibt es sicherlich die ein oder andere Studie. Aber was verstehen wir überhaupt unter eine Studie? Welchen Anspruch haben wir, was erwarten wir von einer Studie? Sie soll sich einen Sachverhalt anschauen, und dann ein Ergebnis verkünden. Sie soll einer wissenschaftlichen Methodik folgend durchgeführt werden. Und die Wissenschaft ist nach allgemeinem Verständnis der Wahrheit verpflichtet.

Leider hat die Wahrheit kein Geld. Und die allermeisten Wissenschaftler arbeiten nicht ehrenamtlich für die Wahrheit, sondern für Geld aus öffentlichen oder privatwirtschaftlichen Quellen. Sie haben Rechnungen zu bezahlen und Familien zu ernähren. Studien werden in Auftrag gegeben und bezahlt. Auch die öffentlichen Gelder ergießen sich nicht mehr wie ein Regenschauer über die universitäre Forschung. Gelder müssen beantragt werden, und aus dem Antrag muss die Absicht und der Wert der Forschung hervorgehen. An den Eliteuniversitäten wird darüber gesprochen, wie gute Forschung sichergestellt werden kann.

Es gibt die Hoffnung, dass die heutige wissenschaftliche Methodik unabhängig vom Weltbild der Forscher und unabhängig vom Interesse der Geldgeber für Ergebnisse sorgt, die der Wahrheit entsprechen. Es würde mich nicht wundern, wenn es Studien gibt, die das zu belegen behaupten. Es würde mich auch nicht wundern, wenn es Studien gibt, die hier Bedenken äußern. Überhaupt habe ich oft den Eindruck, dass es für fast jede Meinung eine passende Studie gibt. So kann ich mich stets bestätigt fühlen. 

Es gibt sicherlich auch Studien, die ergebnisoffen durchgeführt werden. Studien, die nach bestem Wissen und Gewissen nach der Wahrheit suchen. Dennoch spiegelt sich die Weltanschauung der Forschenden in einer Studie meist wieder. Dagegen ist auch nichts einzuwenden. Als Konsument der Studie sollte ich mich aber dafür interessieren, aus welcher Perspektive die Studie durchgeführt wurde, und auch wer sie in Auftrag gegeben und bezahlt hat. Es könnte Studien geben, die mit der Absicht gemacht werden, eine vorhandene Überzeugung zu bestätigen. Es könnte Studien geben, die finanziert werden mit der Absicht, ein Produkt oder eine Ideologie oder ein politisches Vorhaben zu unterstützen. 

Eine nahe liegende Lösung für dieses Dilemma ist eine Qualitätssicherung für Studien. So können Studien durch zertifizierte Organisationen geprüft werden, in renommierten Zeitschriften veröffentlicht werden, oder vom guten Ruf einer Universität oder eines Instituts oder einer Person profitieren. Studien werden dann schnell zu einer Vertrauensfrage. Diese Thematik ist bereits in einem meiner ersten Artikel auf diesem Blog angesprochen: “Gottvertrauen”. 

Baue ich mein Weltbild auf der Basis von Studien auf, dann besteht die Gefahr, dass es einer Ideologie entsprechend wächst. Populäre Ideologien entspringen oft den Interessen von Menschen mit viel Geld, das sie gerne in Studien investieren, um überzeugender zu sein. Sie haben über lange Zeit ein System finanziert und aufgebaut, dessen Weltanschauung gut zu ihren eigenen Interessen passt. Wir sind mit unserer Forschung tief abgetaucht in eine sehr einseitige Betrachtung der Welt. Die Wahrheit hingegen ist aus finanzieller Sicht völlig mittellos. Sie lebt vom Interesse eines jeden einzelnen Menschen. Nur wenn ich mein Weltbild anhand von eigenen Beobachtungen erbaue, und meine eigene Erkenntnisfähigkeit dafür nutze, kann ich davon ausgehen, ein der Wirklichkeit entsprechendes Weltbild aufzubauen.

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