Stimmungsschwankungen gehören zu den alltäglichen Dingen, mit denen alle Menschen bei sich selbst und auch bei ihren Mitmenschen konfrontiert sind. Wir sind grundsätzlich in der Lage, die Stimmung eines anderen Menschen zu erleben und einzuordnen. Manche Menschen sind sensibler als andere, aber eine sehr wütende oder sehr traurige oder auch eine sehr fröhliche Person wird uns entsprechend auffallen. Wir erkennen die Stimmung an der Mimik und Gestik, an der Sprache und der Betonung, an der Körperhaltung und an den Augen. Viele Menschen spüren die Stimmung der um sie herum befindlichen Personen regelrecht. Wir können uns dann mitreißen lassen, uns abschirmen, oder uns wehren und dabei auch schnell aus der Ruhe geraten. Auch unsere eigene Stimmung können wir spüren. Die Stimmung im Raum hat einen großen Einfluss auf uns, und wir auf die Stimmung im Raum.
Wie stark die eigene Stimmung schwankt, ist sehr individuell. Es gibt Menschen, die häufig und stark schwanken. Sie sind meist entweder euphorisch und voller Energie anzutreffen, oder deprimiert und niedergeschlagen. Es ist ein Wechsel zwischen zwei Extremen, himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. Vom Ehrgeiz ergriffen und voller Tatendrang oder von Sinnlosigkeit erdrückt und voller Zweifel. Keiner der beiden Extremzustände kann auf Dauer gehalten oder von der Umgebung ertragen werden. Es ist anstrengend, sich in einem dieser Zustände zu befinden und damit umzugehen. Gleichzeitig sind diese Zustände auch wichtig, denn sie geben dem Leben seine Würze. Sie machen uns lebendig und lassen uns das Leben spüren. Dennoch kann es angemessen sein, diese Zustände auf besondere Momente zu reduzieren und ansonsten einen gelassenen und zufriedenen Grundzustand anzustreben. Es besteht sonst die Gefahr, dass wir zu viel Energie verbrauchen und unsere Gesundheit nicht erhalten können. Das ist durchaus eine schwierige Aufgabe, je nachdem wo wir im Leben gerade stehen und welches Weltbild wir haben.
Es kann auch passieren, dass sich eine konstant unzufriedene Grundstimmung im Leben einstellt. Wenn keine Zufriedenheit erreicht wird und dann die Energie nachlässt, kommt es zu einer Art Kapitulation und einer mehr oder weniger indifferenten, misstrauischen und verbitterten Haltung gegenüber der Welt. Die Frage, ob wir mit unserem Leben grundsätzlich zufrieden sind, stellt sich als Kind noch gar nicht und wird dann mit zunehmenden Alter immer bedeutsamer. Wichtig bei dieser Frage ist auch, inwieweit wir uns als Gestalter unseres Lebens oder als Oper der äußeren Umstände betrachten. Als Mensch sind wir beides, wir sind Schöpfer und Geschöpf. Beides ist wahr, und eine dauerhaft einseitige Fokussierung führt zu Überforderung und Unzufriedenheit. Je später wir damit beginnen, uns Gedanken über diese Dinge zu machen, desto schwieriger wird es, den Verlauf des bisherigen Lebens anzunehmen und als sinnvoll anzuerkennen.
Es gibt sicherlich mehr als einen Weg von stark und häufig wechselnder Stimmung hin zu einer zufriedenen, ruhigen Grundstimmung. Der altbekannte Weg führt über die Religion. Dieser Weg ist heute nur noch für wenige Menschen geeignet, denn wir wollen uns nicht länger auf Offenbarungen verlassen, sondern selbst erkennen. Wir müssen also selbst erkennen, dass unser Leben und die Welt, in der wir leben, gut sind. Manche Menschen erkennen dies schnell und scheinbar mühelos, andere Menschen erkennen es ein Leben lang nicht. Ob dies erkannt wird oder nicht ist keineswegs ausschlaggebend für den Wert eines Lebens. Jedes Leben ist sinnvoll und trägt zur Entwicklung des Menschen und der Menschheit bei. Keine zwei Menschen kommen mit denselben Zielen auf die Erde und es steht niemandem zu, das Leben eines anderen Menschen zu bewerten. Wir dürfen die Taten eines Menschen verurteilen, dürfen uns auch von Personen abgrenzen, aber die Bewertung eines Menschen oder seines Lebens wird diesem niemals gerecht werden können. Wir dürfen uns damit beschäftigen, sollten hier aber abschließende Urteile meiden.
Dennoch wünschen wir uns häufig, dass die Menschen, die uns wichtig sind, nicht unnötig viel leiden. Dass sie ein Vertrauen ins Leben finden, mit dem sie auch eine zufriedene Stimmung und eine optimistische Haltung erreichen können. Wir sind häufig damit konfrontiert, dass dies nicht gelingt. Das ist auch wenig verwunderlich, denn wenn die Frage nach der Herkunft und Aufgabe des Menschen offiziell mit Zufall und Schadensbegrenzung der eigenen Existenz beantwortet wird, dann können wir damit nicht zufrieden sein. Der Mensch braucht eine Aufgabe, mit der er die Welt bereichern kann. Und in dem aktuell propagierten und als wissenschaftlich korrekt dargestellten Weltbild, in dem gerne suggeriert wird, wir wüssten schon alles, kann diese Aufgabe des Menschen nicht gefunden werden. Wir haben dann die Möglichkeit, das Weltbild infrage zu stellen und zu erweitern, oder es zu akzeptieren und eine der angebotenen kleinen Aufgaben anzunehmen. Meist in Kombination mit Ersatzhandlungen, viel Konsum und ständig eskalierenden Zielvorstellungen, weil uns die gewählte oder gegebene Aufgabe nicht die erhoffte Erfüllung bringt.
Die Aufgabe des Menschen ist, ein freies Wesen zu werden. Diese Aufgabe ist vor dem Hintergrund des aktuellen Weltbildes aber nicht leicht zu verstehen und auch nur schwer mit Sprache zu vermitteln. Das Potential zur Freiheit, die Existenz von Freiheit selbst wird heutzutage gern infrage gestellt. Es gibt viele lange Schriften zu der Frage, was Freiheit überhaupt ist. Der Begriff der Freiheit wird gern zersplittert und analysiert. Wir versuchen, das Leben aus den uns bekannten Naturgesetzen abzuleiten, und finden darin oft keinen Platz für Freiheit. Wir handeln so oft unfrei, dass die Existenz von Freiheit schnell in Vergessenheit gerät und zu einem Mythos wird. Tatsächlich haben wir noch einen langen Weg vor uns, bis wir die uns gegebene Freiheit wirklich ergriffen haben. Auch der Zwang und die Pflicht, die Versuchung und die Täuschung, das Leid und der Schmerz werden uns auf diesem Weg noch lange begleiten. Ob wir die Freiheit zu ergreifen in der Lage sind, ist dabei sehr wenig von unseren äußeren Umständen und sehr stark von unseren inneren Überzeugungen abhängig. Natürlich wirkt beides aufeinander und wir können weder unsere Umstände noch unsere Überzeugungen einfach so verleugnen oder unmittelbar ändern. Aber die Welt hilft uns, frei zu werden. Was wir gestern gedacht haben, ist heute unsere Realität. Was wir heute denken, dass gestaltet unsere Zukunft.