Demokrit, Sokrates und Platon

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Wesentliche Grundannahmen der heutigen Weltanschauung finden wir bereits in den Ansichten des griechischen Philosophen Demokrit. Er geht ebenfalls davon aus, dass sich die Welt aus kleinen, nicht mit dem Auge erkennbaren Atomen zusammensetzt, die einen Raum ausfüllen oder ihn leer lassen. Die Atome definiert er als unteilbar, als ewig existierend, und sie lassen sich beliebig oft zusammensetzen und wieder trennen. Zudem gibt es verschiedene Atome, sodass sich durch Kombination alles daraus bauen lässt, was in der Welt zu finden ist. Neben diesen Atomen und dem leeren Raum gibt es für Demokrit nichts. Den Geist, von dem Anaxagoras ausgeht, lehnt er ab. Er will auch die Anordnung der Atome und das Phänomen des Lebens mit den Teilchen selbst erklären. Die Seele ist laut Demokrit ebenfalls aus Atomen aufgebaut, und nach dem Tod trennen sich diese wieder und verteilen sich in der Welt, so wie es auch mit dem physischen Leib des Menschen geschieht. 

Es kann daher gesagt werden, dass Demokrit ein Materialist war und die Grundideen des heutigen Materialismus gelegt hat. Auf der Suche nach dem Unteilbaren haben wir inzwischen festgestellt, dass das, was wir noch immer Atom nennen, doch noch weiter geteilt werden kann. Wir sprechen nun von noch kleineren kleinsten Teilchen, aber die Grundidee dieses Weltbilds ist bis heute erhalten geblieben. Auf die Frage nach dem Sinn sagt Demokrit, dass sich durch ein Erkenntnisstreben ein Wohlbefinden und ein Erleben von Glück erreichen lässt, welches des Menschen höchstes Gut sei. Betrachten wir das Verhalten und die Werte der Menschen in der heutigen westlichen Kultur, dann lässt sich dahinter eine ähnliche Einstellung zum Leben und zur Welt erkennen. Es wird allerdings heutzutage hin und wieder versucht, das Erkenntnisstreben durch Konsum und sinnlichen Genuss zu ersetzen.

Demokrit gilt als der letzte große vorsokratische Philosoph. Zu seiner Zeit leben und wirken in Athen die Sophisten. Die Frage nach Gott oder Göttern und nach den großen Fragen der Naturphilosophen halten sie für unergründlich, also jenseits dessen liegend, was wir erkennen können. Sie sind in diesem Sinne Agnostiker. Sie lehnen es ab, über unergründliches zu spekulieren, und beschäftigen sich mit der Frage, welchen Platz der Mensch in der Gesellschaft einzunehmen hat. Dabei stellen sie absolute Normen und Werte in Frage und betrachten das Wesen des Menschen als vom Umfeld geprägt. So lernt der Mensch, die Sitten und Gebräuche anzunehmen, und lernt ebenfalls, sich für von der Gesellschaft als unsittlich verurteilte Taten zu schämen. Diese Haltung entstammt der Beobachtung, dass sich die Menschen in verschiedenen Städten, in denen unterschiedliche Regeln gelten, anders verhalten und Handlungen auch anders bewerten. 

Sokrates stellt sich dieser Ansicht entgegen und versucht, die allgemeine Gültigkeit einiger Normen und Werte zu zeigen. Die Fähigkeit, Recht und Unrecht zu unterscheiden, liegt für Sokrates in der Vernunft, und Recht kann für ihn nicht beliebig durch die Gesellschaft vorgegeben werden. Die Sophisten sagen, Recht und Unrecht sei etwas fließendes, in stetigem Wandel, unterschiedlich von Staat zu Staat und Epoche zu Epoche. Sokrates akzeptiert das nicht. Für ihn ist Recht und Unrecht Teil des Ewigen. Auch die Vernunft betrachtet er als ewig und unveränderlich. In diesem Sinne war Sokrates ein Rationalist. Sein Einfluss war so groß und seine Ansichten so prägend, dass wir die Philosophie heute in eine Zeit vor und eine Zeit nach Sokrates aufteilen.

Platon, der bekannteste Schüler des Sokrates, vertritt eine Weltsicht, die sich wesentlich von Demokrit unterscheidet. Er sucht auch das Ewige hinter den sich stets wandelnden Erscheinungen. Dabei wendet er sich aber nicht einer Analyse der Materie zu, sondern dem Denken und der Idee, die wir nicht über die Sinne erfassen. Die Ideenwelt existiert für ihn parallel zur Sinnenwelt, und sie ist dem Menschen durch seine Vernunft, also durch sein vernünftiges Denken zugänglich. Die Wirklichkeit umfasst für Platon zwei Bereiche, die wir auf zwei Ebenen erfassen. Zum Einen gibt es die sinnlich wahrnehmbare Welt mit ihren Objekten, in der uns die Materie begegnet, die sich in ihrer Anordnung und Form stets wandelt. Zum Anderen existiert die Ideenwelt, die ewig und für unsere vernünftige Seele wahrnehmbar ist. In diesem Sinne kann Platon als Dualist bezeichnet werden. 

Auch der Mensch ist für Platon ein Wesen zweier Welten, das durch seinen Körper einen Zugang zur fließenden, vergänglichen Sinnenwelt hat und durch seine unsterbliche Seele einen Zugang zur ewigen Ideenwelt. Ohne Körper lebt die Seele in der Welt der Ideen. Mit dieser bleibt sie verbunden, auch wenn sie im Körper lebt, und kann so in den Objekten der Sinnenwelt die Verwirklichungen der Ideen erkennen. Ohne den Zugang zur Ideenwelt wäre das nicht möglich, denn jede Verwirklichung ist stets nur ein Schatten der Idee, sodass die Idee nur über die Seele mithilfe der Vernunft in ihrem vollständigem Umfang entdeckt werden kann. Nur durch das Erkennen der Ideen kann für Platon echtes Wissen gewonnen werden. Platon zeigt hier ein Vertrauen in die Denkfähigkeit des Menschen, die den skeptischen Sophisten fehlt. 

Mit seinen Gedanken zu einem idealen Staat stellt Platon die Idee einer Trinität vor; eine Dreigliederung, die sich auch heute in Konzepten zur Gewaltenteilung wiederfindet. Allerdings ist uns die damit verbundene Weltanschauung, die wir bei Platon finden, verloren gegangen. Dadurch sind die heutigen Staaten weit davon entfernt, die von Platon vorgestellte Trinität tatsächlich zu verwirklichen. Um das zu erreichen, brauchen wir ein Weltbild, das sich nicht allein auf die Materie als letze Ursache für alles stützt. Um Platon zu verstehen, müssen wir selbst als freier Mensch den Wandel vollziehen, den Sokrates vor vielen Jahren in Athen angestoßen hat.

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