Aristoteles Weltanschauung

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Aristoteles beschäftigt sich umfassend mit den großen Fragen der Philosophie und nutzt dafür seine Beobachtungsgabe und seine Denkfähigkeiten in einem Umfang, der bis dahin seinesgleichen sucht. Er nutzt dabei nicht nur die Möglichkeiten des Denkens, sondern beschreibt sogar die Gesetze des Denkens mit der Logik. Er befasst sich mit Ethik und Politik, mit wissenschaftlicher Methodik, mit Wahrnehmung, Vernunft und Logik. 

Aristoteles kritisiert Platons Hervorhebung und Isolierung der Ideenwelt und weist auf die Bedeutung der realen Dinge für die Ideen hin. Platon betrachtet die Ideen als einer realen Welt zugehörig, die er mit dem Denken oder im Geist erleben kann. Er schenkt der Sinneswahrnehmung und den dort erscheinenden Dingen nur wenig Aufmerksamkeit, weil er sie als bloßen Schatten der Ideen betrachtet. Er will sich von diesen Schatten abwenden und direkt auf die Welt der Ideen blicken. Er bringt dies zum Ausdruck im Höhlengleichnis: Wir wenden uns der wahren Welt zu, indem wir uns von den Schatten an der Wand abwenden. Wir können annehmen, dass Platon tatsächlich in der Lage war, die Ideen im Geist zu erfassen, ohne dabei ihre sinnlich wahrnehmbare Verwirklichung in der Welt betrachten zu müssen. 

Aristoteles hingegen betont die Bedeutung der sinnlichen Wahrnehmung für den Menschen. Eine Idee ist ohne eine Repräsentation, ohne eine Verwirklichung in der Welt für ihn nicht vollkommen und auch nicht erlebbar. Idee und Ding gehören zusammen, bilden eine Einheit, und das Ding ist für ihn nicht bloß ein Schatten der Idee. Er beobachtet die weltlichen, sinnlich erfassbaren Dinge sehr genau und beginnt eine umfassende Kategorisierung. Die Ideen existieren auch für Aristoteles, aber nicht in einer separaten Welt, sondern in den Gedanken eines die Welt betrachtenden Menschen. Die Objekte erscheinen in der Welt, und der Mensch gibt ihnen ihre Namen. Der Mensch analysiert, kategorisiert, grenzt Begriffe ab, und ordnet die Dinge dem einen oder dem anderen Begriff zu. Der Mensch verarbeitet die Wahrnehmung mit seinem Denken. Dabei erfasst der Mensch intuitiv die einem Ding innewohnende Idee

Verglichen mit Platon ist die Weltanschauung des Aristoteles den heutigen Menschen, die ihre Sinnesorgane ebenfalls als das primäre Tor zur Welt betrachten, naheliegender. Mit dem Denken fügen wir den sinnlichen Eindrücken in einem zweiten Schritt die passenden Ideen oder Begriffe hinzu. Ohne Sinneseindrücke bleibt die Vernunft jedoch leer und findet keine Ideen. Die Ideen sind zur Wirklichkeit zugehörig, aber dem Menschen weder angeboren noch in einer separaten eigenen Welt für ihn erreichbar. Sie bilden eine Einheit mit dem sinnlich wahrnehmbaren Objekt und können durch eine an die Wahrnehmung anschließende gedankliche Beschäftigung mit diesem erfasst werden. So gelingt es Aristoteles, die zwei Welten in der Lehre Platons zu vereinen und den Dualismus zu überwinden. 

Alle Dinge, die auf die Sinnesorgane einwirken und sich verändern können, bestehen nach der Ansicht des Aristoteles aus zwei Elementen, die stets gemeinsam auftreten: Der Stoff und die Form. Dinge brauchen einen Stoff, also ein Material, und eine Form, also eine Anordnung. Das Wasser im Glas ist ein Stoff, und es nimmt die Form des Glases an. Zur Form des Wassers gehört aber auch, dass es den Aggregatzustand bei ganz bestimmten Bedingungen ändert, und dass es mit anderen Stoffen eine Lösung bilden kann. Die Form ist sowohl die Ordnung, in der sich der Stoff befindet, als auch die Möglichkeiten und Potentiale, die ein Ding hat. Das wird besondern deutlich bei organischen Dingen. In der Form eines Hühnereis ist die Möglichkeit enthalten, dass daraus ein Küken schlüpft. In der Form einer Kastanie ist diese Möglichkeit nicht enthalten, obwohl sie aus dem gleichen Stoff (zum Beispiel Protonen, Neutronen und Elektronen) besteht. Dafür kann aus ihr ein Kastanienbaum werden.

Bei seiner Kategorisierung unterscheidet Aristoteles zwei Hauptgruppen. Die Eine umfasst alle seelenlosen Dinge. In ihnen ist keine Möglichkeit der Veränderung enthalten, und sie werden sich nur infolge einer Einwirkung von Außen ändern oder bewegen. Die Andere umfasst alle lebendigen Dinge. Sie haben die Möglichkeit der Veränderung in sich enthalten. In dieser Hauptgruppe unterscheidet Aristoteles die Tiere und die Menschen. Wir können auch die Pflanzen hier eingruppieren. Alternativ können wir auch unterschieden zwischen Mineralreich, Pflanzenreich und Tierreich. Der Mensch wird dann als eine Untergruppe des Tierreiches betrachtet. Darüber lässt sich bereits streiten. Einigkeit herrscht, wenn uns etwas begegnet, das wir nicht in eine dieser Gruppen einsortieren können: Es wird uns sehr beunruhigen. Die Zuordnung zu “unbelebt” und “lebendig” nehmen auch heute viele Menschen vor. Es ist allerdings heute gar nicht mehr so leicht in Worte zu fassen, wie sich diese Gruppen unterscheiden. 

Wir nehmen eine Einteilung vor auf der Basis davon, was Dinge können oder tun. Um zu einer Kategorie zu gehören, sind bestimmte Fähigkeiten nötig. Pflanzen können Nahrung aufnehmen, wachsen und sich vermehren. Tiere können sich zudem bewegen und Gefühle wahrnehmen. Der Mensch verfügt zusätzlich über die Fähigkeit, rational zu denken. Aristoteles spricht von einer Pflanzenseele, einer Tierseele, und einer Vernunftseele, über die der Mensch allesamt verfügt. Aristoteles hat sich zudem für die möglichen Verhältnisse der vom Menschen geschaffenen Begriffe interessiert und dabei die Logik erforscht und beschrieben. Die Logik umfasst Regeln, wie Begriffe verbunden werden können. Wir finden diese Regeln durch eine Beobachtung des eigenen Denkens. Sie spiegeln die Gesetze der sinnlich wahrnehmbaren Welt im Denken wieder.  Die Logik und die Mathematik sind daher geeignet, um die äußere Wirklichkeit zu beschreiben und vorherzusehen. 

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