Was ist Freiheit?

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Was Freiheit für einen Menschen bedeutet, ist ganz unterschiedlich. Gefühlt hat jeder eine eigene Vorstellung davon. Es ist ein zentrales Thema in der Menschheitsgeschichte. Wir können verschiedene Freiheitsgrade in der Natur beobachten. Eine Pflanze ist freier als ein Stein. Ein Tier ist freier als eine Pflanze. Und ein Mensch ist freier als ein Tier. Das stimmt insoweit, als dass ein Mensch die meisten Möglichkeiten hat. Insbesondere im Vergleich zu einem Stein ist das auffällig. Aber gerade in der heutigen Zeit stellen wir uns wieder die Frage, ob wir nicht auch nur gesetzmäßig auf äußere Einflüsse reagieren, so wie ein Stein dies tut. Gibt es eine Freiheit in unserem Denken, oder sind wir doch nur Automaten auf zwei Beinen?

Die Psychoanalyse kann sichtbar machen, dass die mentale Aktivität zu großen Teilen außerhalb des Bewusstseins stattfindet, also von uns gar nicht aktiv gewollt oder bemerkt wird. Irgendwann ertappen wir uns dann, wie wir in irgendwelche Gedanken abgetaucht sind, obwohl wir doch eigentlich etwas ganz anderes erledigen wollten. Wohl auch deshalb hat Sigmund Freud einmal gesagt: “Das Ich ist nicht Herr im eigenen Haus.” Es wirken Kräfte, die im Unterbewussten entspringen, und unsere Gedanken lenken. Wir sollten uns also Fragen, wie es um die Souveränität und Autonomie des Denkens und um unsere mentale Freiheit bestellt ist. 

Das Gefühl des bewussten Willens kann sich bei genauer Betrachtung auch als Illusion darstellen. Bleibe ich in meinen gewohnten Mustern, bediene ich mich meiner Erfahrung, und greife ich nicht in die gewöhnlichen Denkabläufe ein, so fließen die Gedanken unbewusst und automatisch. Im Nachgang können wir dann glauben, selbst tätig gewesen zu sein. Wir haben so das Gefühl, selbst gewollt zu haben, was wir getan haben, obwohl wir nur in gelernten Reaktionen verblieben sind. Ein solches Verhalten wird uns sogar regelrecht antrainiert, wir schreiben damit gute Noten in der Schule und machen Karriere im Beruf. Wir haben gelernt, dass diese Dinge wichtig sind, und deshalb wollen wir sie auch. Wir gestalten unsere Erfahrung dann so, dass wir stets in der Lage sind, auf die zu erwartende Aufgabe angemessen zu reagieren. Nach erlernten Mustern reagieren kann aber auch ein Computer. Die Freiheit des Denkens ist darin nicht zu finden.

Wir reagieren auf äußere Einflüsse mit Gedanken. Viele Gedanken haben wir gelernt, und deshalb treten sie in Erscheinung. Gedanken kommen also durchaus auch ungefragt zu uns. Unsere Verantwortung beginnt aber nicht bei der Entstehung der Gedanken. Sondern bei der Beherrschung unserer Reaktion. Wir haben die Fähigkeit, innezuhalten. Wir können den Gedanken die Kontrolle über unseren Körper uns seine Handlungen geben, wir können die Gedanken aber auch beobachten, ohne uns zu bewegen. Wir können regulieren, und wir können die Gedanken auswählen, die wir wiederholen und denen wir erlauben, zur Handlung zu werden. 

Diese Sichtweise ist in Übereinstimmung mit vielen religiösen Traditionen. Wir finden dort eine Wertschätzung der Selbstbeherrschung. Es geht um die Kontrolle über die Handlungen und die Gedanken selbst. Wichtig ist, welche Gedanken wir wiederholen, welche Gedanken wir schließlich zu Handlungen machen. Ein Gedanke ist zu verstehen als ein Angebot, das wir prüfen müssen, wenn wir unsere Freiheit ergreifen wollen. Wir müssen die Gedanken in Beziehung setzen, in einen Zusammenhang bringen mit unserer Erfahrung, und auch mit unseren Gefühlen. Nur in der Verbindung von Denken und Fühlen, und  nur mit einem guten Überblick können wir ein Urteil fällen und eine Idee davon bekommen, wie wir wirklich handeln wollen. Wir können unsere Gedanken und Gefühle als Wahrnehmung beobachten, und je besser wir verstehen, warum sie sich zeigen in der Form, die wir gerade erleben, desto eher sind wir in der Lage, uns nicht von ihnen überrumpeln zu lassen, sondern auf ihrer Grundlage aufbauend zu einer freien Entscheidung und einer freien Handlung zu kommen. 

Das ist unsere Aufgabe in der heutigen Zeit. Viele Menschen akzeptieren keine klaren religiösen Vorgaben mehr für das eigene Verhalten, und das ist ein der Zeit angemessener Weg. Die Menschheit ist einen Schritt weiter gegangen, und nun soll ein jeder Mensch selbst zu Gott finden, freiwillig und ohne die Bequemlichkeiten einiger weniger Regeln, die es nur zu befolgen gilt. Wir sind durch die Freiheit herausgefordert, selbst den rechten Weg zu finden, selbst unser Glück zu schmieden, möglichst ohne uns dauerhaft von fremden oder eigenen niederen Motiven verführen zu lassen, die uns ein Paradies versprechen, in dem wir versorgt werden und uns nicht selbst zu kümmern brauchen.

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