Dualität und Trinität

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Die westliche Kultur hat sich ein Weltbild zu eigen gemacht, indem es nur einen Gott gibt. Neben diesem Gott begegnen uns viele weitere Wesen, und eines davon hebt sich von den anderen ab: der Teufel. Er verführt den Menschen, er repräsentiert das Böse. Er verspricht uns einfache Lösungen, die uns auf lange Sicht jedoch in eine bedrückende Abhängigkeit führen, in der wir uns gefangen fühlen und nicht mehr frei entwickeln können. So sehr wir Leid und Unrecht verurteilen, hat der Teufel dennoch eine Faszination, der wir uns nicht entziehen können. Wir erahnen, dass er eine wichtige Rolle spielt, dass wir ihn brauchen, aber wir können nicht sagen warum. Wir verurteilen unsere Beziehung zum Teufel als einen Makel, den wir verstecken, verdrängen, nicht wahrhaben wollen. 

Mit den Vorstellungen, die wir infolge unserer Kultur haben, ist es schwierig bis unmöglich zu verstehen, welche Rolle der Teufel in unserem Leben spielt. Unser Begriff vom Teufel ist sehr einfach und wenig detailliert. Wir haben zwar viel erlebt, was wir mit dem Teufel in Verbindung bringen, aber dem Begriff mangelt es an Struktur. Hier ist es hilfreich, die Überlieferungen, die uns vom Teufel berichten, näher anzuschauen. Wir werden feststellen, dass der Teufel nicht nur eine Person ist. Wir benutzen dieses Wort als Sammelbegriff für alles, was sich dem regulären göttlichen Willen in den Weg stellt und diesen herausfordert. Aber es lohnt sich, an dieser Stelle genauer hinzuschauen und einzelne Teilbegriffe dieses Oberbegriffes zu differenzieren. Was wir im undifferenzierten Begriff vom Teufel zusammenfassen und vermischen, können wir in einem ersten Schritt zwei Gruppen von Wesen zuordnen, von denen eine geführt wird durch Satan und die andere durch Luzifer. Diese Wesen locken uns beide fort von dem christlichen Lebensweg, wenn wir einem von ihnen zu viel Macht in unserem Leben geben. Da sie in entgegengesetzte Richtungen ziehen, besteht unsere Aufgabe darin, ihnen gleich viel Bedeutung zu geben, sodass sich ihre Wirkungen auf uns ergänzen und uns in unserer Entwicklung nach vorne bringen. Es geht also nicht darum, die Wesen, die wir böse nennen, zu vernichten, sondern darum, ihren Einfluss auf uns in einer Balance zu halten. Dann dienen sie unserer Entwicklung. 

Ohne Luzifer und Satan wäre die Menschheit heute nicht da, wo sie ist. Sie hätte auch nicht das Potential, dass sie hat. Die Idee des Menschen ist ohne die Hilfe dieser beiden Wesen gar nicht umsetzbar. Um das zu verstehen, müssen wir uns auch einen Begriff davon erarbeiten, was ein Mensch ist. Was die Idee des Menschen ist. Unsere gesamten Bemühungen um ein Verständnis des Kosmos dienen letztlich dazu, die Idee des Menschen begreifen zu können. Die Idee des Menschen umfasst auch den Kosmos, in den der Mensch eingebettet ist. Der Kosmos ist notwenig, um die Idee des Menschen zu verwirklichen. Unser Abtauchen in den Kosmos, in die physische Welt, in den physischen Körper; die Überzeugung, dass wir nur in und durch diesen Körper existieren; all das sind wichtige Schritte in der Entwicklung der Menschheit. Der Prozess des Auftauchens beginnt mit der Erkenntnis, dass sich die Welt und der Mensch mit den Gesetzen der toten Materie allein nicht erklären lässt.

Als Dualität von Gott und Teufel ist die Welt für mich nicht begreifbar. Die Trinität von Satan, Christus und Luzifer gibt uns hingegen Begriffe, anhand derer wir die Welt und unsere Schwierigkeiten darin deutlich besser einordnen und verstehen können. Der Wert eines nicht physisch greifbaren, spirituellen oder religiösen Begriffs ergibt sich aus seinem Nutzen für unser Bemühen, die Welt und die Idee des Menschen zu verstehen. Wir glauben nicht länger an Überlieferungen, nur weil sie alt sind. Eine Überlieferung muss heute ihren Wert demonstrieren, indem sie uns dabei hilft, die Welt besser zu verstehen. Wir akzeptieren eine Überlieferung dann, wenn sie mit der erlebten Wirklichkeit übereinstimmt. Die Überlieferung bekommt verglichen mit einer Theorie in der Physik keinen Vertrauensbonus mehr. Entweder ist sie hilfreich beim unserem Versuch, die Welt mit dem Verstand zu begreifen, oder sie ist es nicht und wird verworfen. Wenn wir neue Begriffe lernen, anhand von wissenschaftlichen, philosophischen oder religiösen Texten, und wir sie trotz ehrlichen Bemühens beim Durchdenken der erlebten Wirklichkeit nicht anwenden können, dann sollten wir sie verwerfen. Sind uns die Begriffe jedoch eine Hilfe, dann dürfen wir sie behalten und weiter verbessern, auch wenn wir sie nicht unmittelbar mathematisch oder experimentell zur Zufriedenheit aller “beweisen” können. 

Luzifer schätzt das Schöne, er appelliert an unseren Hochmut und unser Ego. Er ist der Meister der Illusion und des Schönredens, zieht uns in luftige Höhen und versucht uns zu lösen von der Realität der Materie. Demut kann uns vor einer Vereinnahmung durch Luzifer beschützen. Satan schätzt das Nützliche, er appelliert an unseren rationalen Verstand und unsere Angst vor dem Unbekannten. Er ist der Meister der Täuschung und der Lüge, zieht uns hinab in das Stoffliche und versucht uns zu lösen von der Realität des Geistigen. Mut kann uns vor einer Vereinnahmung durch Satan beschützen. Christus befähigt uns, die Wahrheit und uns selbst zu erkennen, sodass wir in Freiheit einen Beitrag zur Welt leisten können.

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