Wer bestimmt über unsere Stimmung? Wer entscheidet, ob wir gut oder schlecht gelaunt sind? Unsere Stimmung kann uns derart überwältigen, dass wir ihr scheinbar machtlos ausgeliefert sind. Warum ist das so? Ist das wirklich unsere Stimmung? Oder ist sie etwas Fremdes, etwas außer uns liegendes? Wir spüren unsere Stimmung, und wir beziehen sie auf uns, wie wir auch den Schmerz einer Wunde auf uns beziehen. So wie der Schmerz uns etwas über unseren Körper mitteilt, so teilt unsere Stimmung uns etwas über unsere Seele mit. Ist unser Körper gesund, dann sind wir frei von Schmerz. Ist unsere Seele gesund, dann haben wir eine fröhliche Grundstimmung. Das heißt nicht, dass wir nicht auch mal wütend oder traurig sind. Die gesunde Seele reagiert auf Eindrücke von allen Richtungen, so wie auch ein gesunder Körper Schmerz vermittelt, wenn etwas zu sehr auf ihn eindrückt. Aber, so wie ein dauerhafter Schmerz auf eine Krankheit im Körper hinweist, so weist auch eine dauerhaft negative Grundstimmung auf eine Krankheit in der Seele hin. Deshalb gibt es Menschen und Organisationen, die sich mit der seelischen Gesundheit beschäftigen und hier Hilfe anbieten.
Wie robust die Gesundheit eines Menschen ist, körperlich und seelisch, das ist individuell verschieden. Das kann als ungerecht empfunden werden. Wichtig ist, dass wir für uns dennoch eine Besserung anstreben. Die meisten Menschen haben in jungen Jahren, als Kinder und Jugendliche und auch noch als junge Erwachsene eine recht robuste Gesundheit. Unser Körper ist hier noch im Aufbau, und auch unsere Seele entwickelt sich in dieser Zeit wie von allein. Manche Menschen müssen auch schon in jungen Jahren lernen, mit gesundheitlichen Einschränkungen umzugehen. Andere werden sehr alt, bevor sie damit konfrontiert werden. Früher oder später betrifft es uns alle, sofern wir nicht jung und plötzlich sterben. Viele mögliche Gründe können angeführt werden für die Variation in der Gesundheit, von der Genetik über die Qualität unserer Nahrung, samt Luft und Wasser bis hin zu unseren Gewohnheiten, unserer Balance von Bewegung und Ruhe. Wo und wie wir aufwachsen, wie unsere Vorbilder leben und sich ernähren, welche Ambitionen und Erwartungen sie haben, all das prägt sich in unseren Körper und unsere Seele. Ob wir dann mit 30, 50 oder 70 Jahren noch mit gesundem Körper und gesunder Seele dastehen, hängt nicht nur davon ab, ob wir gesund sein wollen. Es hängt auch davon ab, ob wir uns gesund entwickeln durften, und ob wir gelernt haben, unsere Gesundheit zu erhalten. Denn etwa ab unserer Lebensmitte müssen wir uns durchaus anstrengen, um gesund zu bleiben.
Wie anstrengend es wird, hängt auch davon ab, wie viele gesunde Gewohnheiten wir uns in jungen Jahren bereits angeeignet haben, obwohl es zu dieser Zeit noch keinen großen Leidensdruck gab. Vielleicht haben wir “einfach so” Gewohnheiten von Menschen übernommen, die sich bereits mit Gesundheit beschäftigt haben. Aber in den meisten Fällen kommt es zu gesundheitlichen Beschwerden, und dann beginnen wir zu überlegen, wie wir die wieder los werden können. Das betrifft heute auch deshalb so viele Menschen, weil wir ein Umfeld geschaffen haben, in dem wir zwar viel Komfort und Bequemlichkeit genießen, aber unser Körper und unsere Seele keinen angemessenen “Auslauf” mehr bekommen.
Welche Möglichkeiten gibt es nun? Wie auch beim Körper der Schmerz mit Medikamenten betäubt werden kann, so kann auch die Depression der Seele mit Medikamenten überstrahlt werden, sodass sich unsere Stimmung aufhellt. Der Stimmungsaufheller wird dem Körper verabreicht, und er wirkt über diesen auf die Seelenstimmung. Entsprechend begrenzt ist seine Wirkung. Wie auch das Schmerzmittel ist er eine Übergangslösung, mit dem eine Heilung ermöglicht werden soll oder der Heilungsweg angenehmer gestaltet werden soll. Gefährlich ist dabei, dass der Leidensdruck so weit zurück gehen kann, dass ein Interesse an einer Heilung verloren geht. Dennoch können diese Medikamente uns auf dem Weg zur Gesundheit helfen. Besonders dann, wenn wir ohne sie nicht mehr klar denken können. Wir dürfen nur nicht den Fehler machen zu glauben, das Medikament allein würde uns gesund machen. Besonders für eine Heilung der Seele ist unsere aktive Tätigkeit erforderlich. Die Seele zu gestalten ist in der heutigen Zeit unsere primäre Aufgabe. Dabei können uns andere Menschen eine große Hilfe sein.
Wir können uns unserer Seelenstimmung hingeben. Sie kann so überwältigend sein, dass wir keine Wahl mehr haben. Sobald sich die Lage genügend beruhigt, können wir uns unserer Seelenstimmung aber auch gegenüberstellen. Sobald uns dies gelingt, können wir aus dieser Position heraus unser Seelenleben beobachten. Dabei müssen wir auf unsere Gedanken achten. Solange wir unsere Gedanken aktiv lenken, bleiben wir auf festem Boden, werden nicht von unserer Stimmung mitgerissen und zurück in das tiefe Wasser der empfindenden Seele gespült. Wir können dann in kleinen Schritten wieder einen Einfluss gewinnen auf unser Seelenleben. Dabei geht es nicht darum, möglichst weit in die andere Richtung zu pendeln und immer top gelaunt zu sein. Vielmehr ist eine ruhige, neutrale Grundstimmung erstrebenswert, die uns wieder Freude an den kleinen Dingen des Lebens spüren lässt.