Bestimmt kennst du die folgende Situation: Jemand sagt oder behauptet etwas, und als Antwort darauf stellst du deine Sicht der Dinge dar. Das ist eine typische Reaktion und mir passiert das immer wieder. Obwohl ich mir vorgenommen habe, das nicht mehr zu tun. Es ist einfach sehr verlockend, die eigenen Erkenntnisse beizutragen. Die eigene Meinung zu präsentieren. Und natürlich sind wir besonders stolz, wenn dann unsere Meinung als die Wahrheit akzeptiert wird.
Ist es nicht richtig, die eigene Meinung zu äußern und zu verteidigen? Sicherlich ist es gut, wenn wir eine eigene Meinung haben. Aber je früher wir unsere Meinung in den Mittelpunkt stellen, desto weniger können wir von anderen Menschen erfahren und lernen. Natürlich lässt sich auch diese Thematik von mindestens zwei Seiten betrachten. Wir können dazu tendieren, dass wir uns mitteilen, und dabei relativ wenig von unseren Mitmenschen mitbekommen. Wir können auch dazu tendieren, dass wir zuhören, und relativ wenig von uns selbst beitragen. Je nach Standpunkt ist die Richtung, in die wir uns bewegen wollen, eine andere. Ich will im Gespräch weniger mitteilen, um mehr vom Gegenüber zu erfahren, und versuche meine Gewohnheiten entsprechend zu überwinden. Ein anderer Mensch will womöglich mehr von sich mitteilen, und nicht länger so still und zurückgezogen sein. Was beide Seiten letztendlich erreichen wollen, ist ein Ausgleich.
Nun sagt der Titel dieses kleinen Artikels sehr deutlich, dass wir nicht überzeugen sollen. Und das hat einen Grund. Warum wollen wir überzeugen? Womöglich wollen wir etwas verkaufen, und wollen überzeugen aufgrund des persönlichen Nutzens, den wir daraus ziehen, wenn es uns gelingt. Womöglich glauben wir, es werde unserem Gegenüber besser gehen, sobald es von unserer Botschaft überzeugt ist. Womöglich glauben wir zu wissen, was ein anderer Mensch braucht. Womöglich sind wir voll und ganz überzeugt von unserer Sache, und glauben, dass wir uns für die Wahrheit oder (zum Beispiel) für die Rettung eines Planeten einsetzen müssen. Aus der eignen Überzeugung, zu wissen, was getan werden muss, kann ein sehr großes Bedürfnis entstehen, möglichst alle Menschen dieser Welt zu überzeugen.
Was machen wir dabei? Wie das Wort schon impliziert, versuchen wir unser Zeug über einen anderen Menschen zu stülpen. Wenn wir dies nicht für den eigenen Profit tun, dann begründen wir es zumeist damit, dass wir etwas besser wissen als jemand anders, über den wir unser Zeug zu schütten versuchen. Was wir damit meist erreichen, ist Ablehnung. Wer wird schon gern mit fremden Zeug überschüttet? Selbst wenn uns jemand vertraut und zu verstehen versucht, erreichen wir mit Überzeugungsarbeit allein meist wenig. Insbesondere dann, wenn wir nicht erklären, wie und warum wir unsere Meinung erarbeitet haben, sondern uns auf Aussagen anderer Menschen stützen, die wir für besonders kompetent oder vertrauenswürdig halten. Meist sind dies dann Experten, oder Veröffentlichungen von Institutionen, die für eine Sache offiziell zuständig sind. Menschen, die Vertrauen haben zu diesen Stellen, können oft nicht verstehen, warum es andere Menschen gibt, die daran zweifeln.
Vielleicht fühlen wir uns besser, wenn wir glauben, gerade jemand erfolgreich von unserer Meinung überzeugt zu haben. Aber das einzige, was wir dabei gelernt haben können, ist noch überzeugender zu sein. Über die Menschen, denen wir begegnen, lernen wir dabei wenig. Dabei gäbe es so viel zu entdecken. Vertraut mein Gegenüber einfach nur einer anderen Autorität? Und wenn ja, warum? Hat er oder sie sich womöglich schon intensiver mit der Sache auseinandergesetzt? Welche Erlebnisse und Erfahrungen haben zu der Meinung geführt? Was sind die Absichten, was soll erreicht werden? Welches Menschenbild verbirgt sich hinter den angestrebten Methoden? All dies können wir erfragen und herausfinden. Womöglich hat unser Gegenüber diese Dinge noch nie so klar formulieren und durchdenken müssen, und profitiert von unseren Fragen sogar mehr als wir von den Antworten.