Denk nicht, mach einfach!?

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Aufgabenteilung kann soweit getrieben werden, dass ein Mensch denkt und en anderer Mensch macht. Das ist heute gar nicht so unüblich. Denken kostet schließlich Zeit. Während des Denkens bin ich nicht produktiv. Wenn es also etwas zu erledigen gibt, dann ist es effizient, einmal zu überlegen, was zu tun ist, und das Ergebnis zu dokumentieren. Darauf aufbauend wird gemacht, und das nicht unbedingt durch die Person, die gedacht hat, sondern womöglich durch ganz viele andere Menschen. Viele fleißige Hände verwirklichen eine Idee, ohne selbst darüber nachgedacht zu haben. Sie sind produktiv, sie verwirklichen etwas in der Welt, sie können das Ergebnis ihrer Arbeit direkt sehen. Und sie werden durch Maschinen ersetzt, sobald diese billiger sind. Das ist gut so, denn eine Tätigkeit, die gar kein Denken erfordert, wie es bei Fließbandarbeiten der Fall sein kann, unterfordert den Menschen und gibt ihm keine Erfüllung. Sie macht ihn unglücklich. Maschinen hingegen sind sehr guter Macher. Sie machen das, wozu sie gemacht sind. Sie denken nicht, ihre Leistung ist planbar, und wenn sie gut konstruiert und gewartet sind, dann läuft alles wie geschmiert. 

Trotz aller Maschinen sind Handwerker auch heute noch sehr gefragt. Das liegt nicht nur an ihren handwerklichen Fähigkeiten, die Roboter auf vielen Ebenen auch heute nicht nachahmen können. Es liegt auch daran, dass sie oft in einer vorhandenen, gewachsenen Infrastruktur arbeiten, Kundenwünsche erfüllen müssen und keineswegs immer das Gleiche machen können. Sie müssen denken, jeden Auftrag einzeln planen. Überlegen, wie etwas mit den gegebenen Voraussetzungen sinnvoll umgesetzt werden kann. Ein Handwerker vereint in seinem Beruf die Fähigkeiten des Denkens und des Machens. Wieviel bei unseren Berufen gedacht werden muss, fällt oft nicht auf, denn wir denken mit solcher Selbstverständlichkeit, dass wir es kaum bemerken. Erst wenn sich etwas nicht automatisieren lässt, fällt auf, dass hier offenbar auch gedacht werden muss. 

Wie wichtig denken ist, fällt auch auf, wenn Ingenieure ein Produkt entwickeln sollen. Auch ein Ingenieur bekommt meist Vorgaben, innerhalb derer eine möglichst optimale Lösung zu finden ist. Das habe ich selbst einige Jahre gemacht. Wie gut das Produkt wird, ist dabei nicht nur vom Talent der Ingenieure abhängig, sondern auch von den Vorgaben, die ihnen gemacht werden. Gerade bei komplexen Produkten, an denen hunderte bis tausende Ingenieure arbeiten, sind diese Vorgaben sehr wichtig. Ich habe als Ingenieur in der Autoindustrie gearbeitet. Hier kommen neben den Vorgaben, die sich aus den Wünschen der Kunden und der Firmeneigner ableiten, zusätzlich noch sehr umfangreiche und dynamische Forderungen der Politik hinzu. In diesem Umfeld zu einer Produktentwicklung beizutragen, kann sehr herausfordernd und auch frustrierend sein. So kam in mir die Frage auf, welche Gedanken zu all diesen Vorgaben führen, innerhalb derer ich meine Arbeit machen soll. Mein Interesse am Produkt ging verloren, denn es wurde in meinen Augen nicht mehr besser. Und mein Interesse an den gesellschaftlichen Hintergründen kam mehr und mehr in den Vordergrund. 

Wir könnten zweifelsfrei vieles besser machen, nicht nur unsere Autos. Was treibt uns also an, die Dinge so zu tun, wie es aktuell passiert? Was sind die Motive? Gibt es überhaupt Motive, oder hat sich unsere Entwicklung verselbstständigt, laufen die Prozesse nur noch unaufhaltsam ab, nachdem sie einst angestoßen wurden? Diese Frage führt schnell zur Philosophie, zur Freiheit des Willens, zu den grundlegenden Weltanschauungen, mit denen wir die Welt und uns selbst verstehen wollen. Ich will die Dinge nicht länger einfach so hinnehmen, wie sie sind. Mich als Zahnrad so drehen, wie es gerade gefordert wird. Das überlasse ich gerne den Maschinen. Ich will verstehen, wie wir in dieses Dilemma hineingekommen sind, und wie wir wieder herauskommen. Zudem möchte ich wissen, warum wir in dieses Dilemma hineingeraten sind. Ist wirklich alles nur Zufall, wie uns gerne gesagt wird? Oder sollen wir womöglich etwas dabei lernen? 

Was habe ich nun der Welt zu bieten mit diesen philosophischen Ambitionen? Im Moment scheint es nicht viel zu sein, das Interesse hält sich jedenfalls in Grenzen. Und dennoch mache ich weiter. In einem ersten Schritt möchte ich versuchen, ein möglichst ganzheitliches Bild von den Welten zu bekommen, in denen ich lebe. Dafür braucht es Beobachtung. Damit allein ist es aber nicht getan. Bei der Wahrnehmung eines Nebeneinander im Raum und eines Nacheinander in der Zeit kann ich es nicht belassen. Ich will die Muster, die Gesetze, die Ideen begreifen, die sich darin zum Ausdruck bringen. Und das kann ich nur mit dem Denken. So bin ich dazu gekommen, mich für das Denken zu interessieren, und mich näher damit zu beschäftigen, was Denken überhaupt ist. 

Wer einfach nur ein wenig Unterhaltung und Ablenkung sucht, um die unverständlichen Zumutungen des Lebens etwas besser zu ertragen, oder um sie für eine kurze Zeit zu vergessen, ist bei mir vermutlich nicht richtig. Dafür gibt es bereits unzählige gute Angebote von vielen wunderbaren Menschen, von denen ich auch einige regelmäßig und gerne in Anspruch nehme. Mir geht es hier darum, den Boden zu bereiten für ein Verständnis dieser unverständlichen Zumutungen des Lebens. Ich versuche, mein Weltbild soweit zu erweitern, dass dieses Verständnis möglich wird. Auf dieser Reise möchte ich dich mitnehmen, in der Hoffnung, dass es uns beiden gelingt, die Schönheit dieser Welt und die Idee des Menschen zu erkennen, oder zumindest etwas klarer zu erahnen. 

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