Als Menschen können wir versuchen, die Welt zu erobern, um sie nach unseren Werten und Vorstellungen zu verändern. Wir können uns auch in unseren Garten zurückziehen, und diesen Garten pflegen. Und uns mit unserem Engagement in der Welt auf das für den Erhalt des Gartens Notwendige beschränken. Wir können uns sogar gänzlich in unseren Garten zurückziehen und darauf vertrauen, dass er von der Welt nicht überrollt werden wird.
Die Pflege eines Gartens ist schon eine große Aufgabe. Aber hier können wir eine deutliche sichtbare Wirkung haben. Die Größe des Gartens lässt sich anpassen an unsere verfügbare Energie und unsere Liebe zum Detail. Wenden wir uns hingegen der Welt zu, wird es deutlich schwieriger. Sie hat eine schier unermessliche Größe. Wollen wir die Welt so nach unserem Geschmack gestalten, wie es mit einem Garten möglich ist, dann stehen wir vor einer so gewaltigen Aufgabe, dass wir ohne Kompromisse nicht weiter kommen. Die ganze Welt zum eigenen Garten zu machen, oder zwischen Garten und Welt nicht unterscheiden zu wollen, oder die Gestaltung des Gartens von der Gestaltung der Welt abhängig zu sehen, führt das Konzept des Gartens ad absurdum. Ein Garten ist ein Schutzraum, den wir für uns gestalten. Er steht unzweifelhaft im Austausch mit der Welt, egal wie hoch die Maueren um ihn herum ragen, und dennoch prägen wir unsere persönliche Note in den Garten, ohne dafür die ganze Welt verändern oder kennen zu müssen.
In den vergangen Jahrhunderten hat es einen Wandel auf der Welt gegeben. Die Welt ist kleiner geworden. Wir sind enger zusammen gerückt. Wir arbeiten enger zusammen. Wir handeln überwiegend global und beeinflussen einander deutlich mehr und direkter. Schon seit langer Zeit gibt es globalen Handel. Die Seidenstraße ist keine neue Erscheinung, sondern geht bis weit in die Antike zurück. Dennoch – der Anteil an global produzierter und vertriebener Ware ist in den letzten Jahrhunderten erheblich gestiegen. Der Transport zu Land, Wasser und in der Luft ist kostengünstig, schnell und verhältnismäßig sicher geworden. Lokal hergestellte Produkte sind heute die Ausnahme, die Globalisierung des Handels ist kaum noch steigerungsfähig. Das führt natürlich auch dazu, dass viele Zustände, die uns in unserem unmittelbaren Umfeld begegnen, mit der gesamten Welt in enger Verbindung stehen. Diese Verbindungen zu lösen ist mit viel Aufwand und Verlust verbunden, und es steht die Frage im Raum, ob das überhaupt der richtige Weg sein kann.
Wenn wir uns der gesamten Welt gegenübergestellt sehen, dann entsteht schnell ein Gefühl der Ohnmacht. Wie sollen wir Einfluss nehmen auf etwas so großes, an dem Milliarden von Menschen beteiligt sind? Wie sollen wir eine Verbesserung bewirken können? Diese Aufgabe kann uns so sehr vereinnahmen und verzweifeln lassen, dass wir darüber unsere eigene Gesundheit und unser eigenes Leben vernachlässigen. Wir müssen uns oft eingestehen, dass wir aus eigener Kraft nicht in der Lage sind, die Wirkung in der Welt zu entfalten, die wir uns vorstellen. Es gelingt uns nicht, die Welt in den Zustand zu bringen, den wir für richtig halten. Wir fühlen uns ohnmächtig, von der Welt erschlagen, und wissen nicht, wie wir in unserem Leben noch etwas erreichen können. Sind wir gescheitert? Nein. Der Anspruch, die Welt verbessern zu wollen, ist berechtigt. Wir sind hier, um etwas zur Welt beizutragen. Aber wir können hier auch etwas lernen. Wir können dazu beitragen, die Welt zu verbessern, und die Welt kann uns helfen, selbst besser zu werden. Sie kann uns helfen, uns zu entwickeln. Wenn die Welt nicht so ist, wie wir es für richtig halten, sollte sich unsere Antwort nicht darin erschöpfen, die Welt verändern zu wollen. Wir können uns auch fragen, was die Welt uns zeigen und lehren kann, indem sie so ist wie sie ist. Wir haben noch sehr viel zu lernen, nicht nur über die Welt, sondern auch über uns selbst.
Die Welt zu kritisieren und Politiker anzuklagen ist leicht. Vor der eigenen Türe zu kehren ist schwer. Dabei besteht gerade hier die Möglichkeit, mit gutem Beispiel voran zu gehen. Wer seinen eigenen Garten, seinen eigenen Körper und Geist gut pflegt, hat damit automatisch einen positiven Einfluss auf den Rest der Welt. Natürlich können und sollen wir uns dabei nicht loslösen und als Einsiedler zurückziehen. Es ist in der heutigen Zeit für die meisten Menschen gar nicht mehr möglich, das zu tun. Aber wir brauchen auch nicht alles mitmachen. Wir können eine Auswahl treffen, was wir in unsern Garten holen. Natürlich kommt darüber hinaus noch mehr in den Garten, über Wege, die wir nicht kontrollieren können. Wie wir damit umgehen, ist aber wieder uns überlassen. Was wir aus unserem Garten in die Welt geben, damit diese als Ganzes gesund werden und bleiben kann, das können wir ebenfalls beeinflussen. Sicherlich kann nicht die ganze Welt an unserem Garten genesen. Aber das sollte auch nicht der Anspruch sein. Es geht um einen Beitrag zur Welt, nicht um eine Unterwerfung oder Zwangsbeglückung der Welt.